Abends in Frankfurt 1. Flug in die untergehende Sonne zur aufgehenden Sonne in Addis Abeba 2. Italien in Äthiopien? Mit der Antwort nimmt diese Reise durch geheimnisvolle Schätze ihren Anfang. Im alten italienischen Stadtteil Piazza steht das Nationalmuseum, und dort liegt der älteste menschliche Knochenfund – die weltberühmte Lucy. Ein leuchtendes Beispiel jüngster Errungenschaften ist die Former Women Fuel Wood Carriers Association. Eine traditionelle Weberei mit angeschlossener Schule, in der Frauen mit zuvor körperlich anstrengenden Tätigkeiten auf ein besseres Leben vorbereitet werden. Den Italienern haben wir auch den Entwurf der Menbere-Selassie-Kirche zu verdanken, die sinnigerweise der Befreiung aus italienischer Besatzung gewidmet ist. Sie sehen bereits, dass Sie spannende Aussichten erwarten, zu denen ohne Zweifel der Blick vom 3.000 Meter hohen Plateau des Entoto-Berges auf die glanzvolle Hauptstadt Äthiopiens gehört.
Freundinnen (© Dr. Anne Witte-Gareis / Chamäleon)
Nach dem Übertritt König Ezanas zum Christentum, wurde Axum 3 zur ersten christlichen Hauptstadt der Welt und blieb bis zum letzten Kaiser Haile Selassie der Ort, wo die äthiopischen Könige gekrönt wurden. Heute krönt Axum unseren Tag, denn die Heiligen Bücher berichten Unglaubliches: Aus einem Techtelmechtel von König Salomon und der Königin von Saba entstand Menelik, der im Alter von 20 Jahren seinen Vater in Jerusalem besuchte. Bei seiner Rückkehr hatte er die Bundeslade im Gepäck, auf deren Steintafeln die Zehn Gebote standen, die Moses von Gott für seinen Bund mit dem Volk Israel erhalten hatte. Seither ruhen sie der Sage nach in den heiligen Kirchenmauern der Maria von Zion, bewacht von einem auserwählten Mönch, der das Gemäuer aus Sorge um die ihm anvertraute Lade seit 50 Jahren nicht mehr verlassen hat.
The Abbys (© BremecR, iStockphoto.com / Chamäleon)
Die geologische Aktivität des Ostafrikanischen Grabenbruchs hat die höchsten Berge und tiefsten Seen Afrikas entstehen lassen. Durch diese urgewaltige Landschaft fahren wir in das Simien-Gebirge 4, das den seismografischen Ausschlägen eines Erdbebens der Stärke acht gleicht. Auf einer der Bergkuppen liegt unsere Simien Lodge. Sattsehen ist bei diesen Bildern nicht leicht, aber einen Versuch wert, bei einer Wanderung durch den Simien-Mountains-Nationalpark in Begleitung von Dschelada-Pavianen und dem harmlosen Äthiopischen Wolf.
Fasiledas Palast in Gonder (© narvikk, iStockphoto.com / Chamäleon)
Unsere Fahrt nach Gondar 5 führt uns zurück in die Epoche des Kaisers Fasilidas, als die Stadt das kulturelle und religiöse Zentrum Äthiopiens war. Unzweifelhaft belegt durch die Festung, hinter deren meterdicken Mauern sich Paläste, Kirchen und Klöster verstecken. Stolze 70 mal 40 Meter misst die Badewanne des Kaisers mit einem Lustschlösschen in der Mitte, das vermuten lässt, dass hier mehr als nur geplanscht wurde. Heute dient das Becken den Taufzeremonien des Bischofs von Gondar. Liturgische Gesänge begleiten den Akt, der die Taufe Jesu Christi symbolisiert. Und wem noch Zweifel bleiben sollten, wie ernst es den äthiopischen Kaisern mit dem Christentum war, der folgt uns zum Abschluss des Tages in das »Kloster der Dreieinigkeit auf dem Berge des Lichts«. Die berühmten Wand- und Deckengemälde der Debre-Berhan-Selassie-Kirche gelten als die schönsten des Landes und werden hinter vorgehaltener Hand als die Sixtinische Kapelle Äthiopiens bezeichnet.
Bahir Dar, Wasserfälle des blauen Nils (© BremecR, iStockphoto.com / Chamäleon)
Heute ist Sightseeing-Tag. Aber kein Museum, kein Denkmal steht auf dem Programm, nur die umwerfende Schönheit des Simien-Gebirges. Die Fahrt führt uns durch farbige Ebenen und ruhende Dörfer nach Bahir Dar 6 7 am Tana-See. An seinem Ufer liegt das Avanti Blue Nile Hotel und ist doch nur wenige Schritte vom Trubel des Marktplatzes entfernt. Auf über 3.000 Quadratkilometern sammelt der Tana rund 30 Quellflüsse, die schließlich als Blauer Nil auf ihre lange Reise gehen. Uns genügen ein paar Hundert Meter für eine »Spritztour« entlang spektakulärer Wasserfälle. Doch seien Sie nicht überrascht, wenn uns paddelnde Priester in abenteuerlichen Schilfbooten begegnen. Sie steuern eine der Inseln an, wo in bröckelnden Klostermauern unfassbare Kunstschätze und Manuskripte des frühen Christentums verborgen sind. Ein paar davon dürfen wir aus nächster Nähe sehen. Quasi als sichtbarer Beweis für die Bücher der Bibel.
Felsenkirche in Lalibela (© Chamäleon)
Wie eine Perlenkette dekorieren die Aussichtspunkte des ostafrikanischen Grabenbruchs unsere Fahrt in das einst bestgehütete christliche Geheimnis: Lalibela 8, das in den Bergen versteckte Jerusalem Äthiopiens. Hier wurde im 12. Jahrhundert das Heiligste des Heiligsten aus dem Berg gehauen: Ein Zentrum göttlicher Verehrung aus miteinander verbundenen Felsenkirchen, in deren Tunneln und Nischen sich so manches Schlupfloch für betende Priester verbirgt. Durch das Dorf Nakuto Laab tasten wir uns behutsam an das Heiligtum heran und beginnen mit dem Ende, dem letzten von König Lalibela erbauten Kloster Neakuto Leab.
Mann vor der Felsenkirche Bet Abba Libanos in Lalibela (© Chamäleon)
Dann folgt die Zeit des ungläubigen Staunens. Die Felsenkirchen Bet Debre Sina und Bet Golgotha. Bet Maryam, die älteste, und Bet Medhane Alem, die größte der heiligen Hallen. Und schließlich Bet Giyorgis, das architektonische Prachtstück mit dem Grundriss eines Kreuzes. Vielleicht war die Vielzahl an architektonischen Stilen, kostbaren Kunstwerken und Reliquien in der Tat nur möglich, weil den Erzählungen nach Engel hernieder kamen, um dem König von Lalibela 9 10 beim Bau zu helfen. Vielleicht finden wir die Antwort in einer der wenigen freistehenden Kirchen, Bet Emanuel, die als die schönste gilt, die jemals aus dem Fels geschlagen wurde. Vielleicht verrät uns die kleine, nicht ganz vom Felsen gelöste Bet Abba Libanos das Geheimnis der Engel. Vielleicht werden wir es nie erfahren, aber zurück bleibt das erhebende Gefühl, dieses Mysterium göttlicher Verehrung mit eigenen Augen gesehen zu haben.
Abajasee bei Sonnenuntergang (© Gerhard Wilk / Chamäleon)
Der Langano-See 11 präsentiert sich wie immer im Rosé einer teuren Tagescreme und so wirkt er auch. Mineralien für die Haut in fetter Konzentration. Aber die den Teint belebende Wirkung wird es nicht gewesen sein, die 300 verschiedene Vogelarten veranlasst hat, sich in unmittelbarer Nachbarschaft niederzulassen. An den Seen Abiyatta und Shalla sind beinahe die Hälfte davon endemisch, also hier geboren und in der spektakulären Landschaft des Ostafrikanischen Grabenbruchs geblieben. Damit das so bleibt, wurden 900 Quadratkilometer um die Seen zum Abiyatta-Shalla-Nationalpark 12 erklärt. Inklusive heißen Uferquellen, die außer Rosaflamingos, Schreiseeadlern und Marabus inzwischen auch dem Großen Kudu, der Grantgazelle und dem Afrikanischen Goldwolf gefallen.
Die Gründerin des Hilfsprojekts (© Chamäleon)
Wie jeden Morgen, wenn die Boote zurückkehren und die Fischer ihren Fang ausbreiten, stehen die Menschen schon mit Tüten am Hafen und zeigen auf das noch zappelnde Begehr. Dafür lohnt es sich, früh aufzustehen, und es bleibt auch noch Zeit für einen Test, wie wohl sich der Fisch im Langano-See gefühlt haben muss. Wohlfühlen ist auch das Stichwort im Kinder- und Jugendprojekt Edget Baandnet in Awassa 13. Weg von der Straße in die Geborgenheit einer neuen »Familie«, die mit »Live, Love and Learn« die Grundlagen für ein besseres Leben schafft. Die Hamburger Jörn Bernhardt und Gundi Brendes haben das Kinderhaus zu ihrer Lebensaufgabe gemacht, unterstützt von der Chamäleon Stiftung. Wir sind eingeladen, mehr über die segensreiche Arbeit und ihre Ergebnisse zu erfahren.
Getreidespeicher (© Chamäleon)
Es ist fraglich, ob irgendwo auf der Erde die unterschiedlichsten Ethnien so dicht versammelt sind wie hier. Da gilt die Regel: Ein Ort, ein Stamm, ein König. Und so treffen wir auf unserer Fahrt nach Yirga Alem 14 die Burji und die Sidama in den nach ihnen benannten Dörfern. Vorwiegend Landwirtschaft prägt das Leben der in Clans organisierten Volksgruppen und ihren unverzichtbaren Ensete-Pflanzen. Als Nahrung wie auch zur Herstellung von Seilen, Matten und Säcken. Anders beim Kaffeestrauch. Der liefert nur eines: das unnachahmliche Aroma einer äthiopischen Röstung. Heute wird probiert. Auf die Gefahr hin, dass Ihnen kein anderer Kaffee mehr schmeckt.
Papyrusboot auf dem Awassa-See (© Chamäleon)
Wenn die Hühner aufstehen, sind die Fische schon tot. Also warten Sie nicht zu lange, wenn Sie von dem kleinen Fischmarkt am Awassa-See noch etwas mitbekommen wollen. Bevor sich das Kaiserreich Äthiopien ausdehnte, war das Land eine Ansammlung kleiner Volksstämme und Königreiche. Wolaytta, Alaba, Hadiyya sind heute weit verstreut, aber wo sie in eigenen Siedlungsgebieten leben, pflegen sie noch immer ihre Traditionen. So bauen die Dorze in den Guge-Bergen bei Arba Minch 15 ihre Hütten als Bienenkörbe und backen Brot aus Ensete-Blättern. Was sie mit ihren Hütten machen, die regelmäßig von Termiten aufgefressen werden, das möchten sie uns persönlich zeigen.
König der Konso (© Dr. Hansjoerg Klingenberger / Chamäleon)
Volkskunde zweiter Teil, denn ein Stück weiter östlich leben die Konso 16. Eine strenge Dorfhierarchie verteilt die Aufgaben in der Gemeinde, zu denen auch die Herstellung einer Art Bier aus Mais gehört. Na denn zum Wohl, aber bitte erst nach unserer Audienz beim König, wenn er zu Hause ist, denn man tritt schließlich in stabiler Haltung vor seinen Gebieter. Bei der anschließenden Bootstour über den Chamo-See können Sie die Etikette wieder schleifen lassen, denn Krokodile und Nilpferde halten sich auch nicht daran.
Konzo-Gebiet (© Chamäleon)
Was die »Vierzig Quellen« bedeuten, denn so die wörtliche Übersetzung von Arba Minch 17, bedarf noch einer Klärung. Ihr Reiseleiter hat darauf erschöpfende Antworten, während Sie erschöpft – pardon: entspannt – im Garten Ihrer Lodge liegen und die tiefen Erlebnisse im Hochkulturland am Horn von Afrika noch einmal an sich vorbeiziehen lassen. Ein paar Stunden später startet Ihr Flieger Richtung Frankfurt 18. Drei Millionen Jahre weit weg von Lucy und ihren kaiserlichen Nachfahren.
Lalibela - 18 Tage Wunderwelten-Reise
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