Ist das schön. Abends in München 1 war es noch kühl und regnerisch, aber über Johannesburg strahlt die Sonne und in Windhoek 2 gleich zweimal. In der Stadt, die je nach ihren Eroberern mal »Windecke« oder »Ort des Dampfes« hieß, liegen das moderne Afrika und seine bewegte Vergangenheit dicht an dicht. Beginnen wir mit den stehengebliebenen Zeugen der Zeitgeschichte: Christuskirche, Tintenpalast, Parlamentsgärten und der historische Bahnhof, der langsam, aber sicher in einen Dornröschenschlaf fällt. Hellwach dagegen die Frauen von Penduka. Lange Zeit unterdrückt und rechtlos in der ehemaligen Township Katutura haben sie mit der handwerklichen Herstellung schicker Gebrauchsgüter die Tür in ein neues Leben aufgestoßen. Die Chamäleon Stiftung unterstützt sie dabei. Dann folgt die erste hautnahe Berührung mit dem heutigen Namibia: im afrikanischen Ambiente des Londiningi Guest House.
Auf der Sossusvlei-Düne (© Rüdiger Haselbach / Chamäleon)
Es mag eigenartig klingen, wenn man auf der südlichen Halbkugel sagt: Heute geht es in den Süden. Aber dort liegen nun einmal die gigantischen Dünen. Es geht am Naukluft-Gebirge entlang, das majestätisch in der Wüste steht und je nach Sonnenstand wie verrückt mit den Farben spielt. Unser Ziel ist ein Universum aus orangeroten Sandbergen: Sossusvlei 3. Bis zu 350 Meter hoch türmen sich die elegant verblasenen Sandmassen. Hier geht es nur zu Fuß weiter, aber so viel Mühe muss sein, denn sie wird von ergreifenden Eindrücken belohnt. Besonders dort, wo sich der Tod verewigt hat, im Dead Vlei mit seinen seit 500 Jahren abgestorbenen Akazien. Und spätestens, wenn die sinkende Sonne wandernde Schatten in die bizarre Landschaft malt, ist das Schauspiel perfekt.
Swakopmund (© Ekkehart Eichler / Chamäleon)
Namibia hat die einzigartige Eigenschaft, Erlebnisse für drei Tage in einen einzigen zu packen. Der Namib-Naukluft-Park ist das im wahrsten Sinne des Wortes packende Beispiel dafür. Ein Bilderbuch überwältigender Motive, die sich mitunter schneller ändern, als man gucken kann. Zu diesem Wechselbad der Emotionen gehören noch Hunderte Flamingos und Pelikane in der Walvis Bay, dann haben wir unser heutiges Ziel erreicht: Swakopmund 4, die »deutscheste« Stadt Namibias. Mit Amtsgericht, Seebrücke, Hohenzollernhaus und weiteren Überbleibseln aus kolonialen Zeiten, einschließlich einem Bier vom Fass nach deutschem Reinheitsgebot. Das elegante Hotel Zum Kaiser liegt nahe am Atlantik, und ein Strandspaziergang bei Sonnenuntergang wäre nicht die schlechteste Art, diesen Erlebnistag zu beschließen.
Im Erongo-Gebirge (© Katrin Giebe / Chamäleon)
Das koloniale Kleinod gehört noch einen Vormittag lang Ihnen, um es auf den Kopf zu stellen. Optional wäre auch eine Katamaranfahrt in die Bucht nicht schlecht. Delfine, Robben und Ledernackenschildkröten freuen sich über etwas Abwechslung, und Sie bekämen bei der fröhlich versammelten Artenvielfalt einen kleinen Vorgeschmack auf das, was Sie im Etosha-Nationalpark erwartet. Aber nicht gleich, Sie müssen noch am Erongo-Gebirge 5 vorbei, genauer gesagt zur Gästefarm Omandumba. Uralte Felsmalereien, eine wunderbare Stille und ein feines Wildrauchfleisch vom Feuer sind das Aushängeschild dieser echt namibischen Farm.
Begegnung mit den San (© Kai-Uwe Küchler / Chamäleon)
Sollten Sie für die Abendprogramme nicht den richtigen Schmuck dabeihaben – heute können Sie Ihren Bestand vervollständigen. Die San 6, seit 20.000 Jahren geübt in der Herstellung von Bling-Bling, zeigen Ihnen ihre ausgefeilten Techniken. Ohne Crimpzange, Perlnadel und Akku-Reibahle, schließlich leben sie wie zu Zeiten des freien Nomadentums in traditionellen Grashütten, die noch keinen technischen Fortschritt gesehen haben. Nur Mut, für einen Holzperlenreif oder eine Kette aus Straußeneierschale wird Ihr Talent schon reichen. Dann endlich das angekündigte phänomenale Tiererlebnis, denn unser Etosha Village liegt praktisch Tür an Tür mit dem 22.000 Quadratkilometer großen Speisesaal all der Großwildarten, die Sie sonst nur aus Filmen kennen.
Tiere an der Wasserstelle im Etosha-Nationalpark (© Lisa Wehner / Chamäleon)
Spannung liegt in der Luft, wenn wir uns im Etosha-Nationalpark 7 8 unter die Hauptdarsteller mischen. Werden wir das Damara-Dikdik sehen, die kleinste der Antilopen, oder ihr familiäres Gegenstück, das massive Eland? Den Löwen, der auf das Steinböckchen lauert? Die Elefantenherde, die zum Baden kommt? Leoparden, die Steppenzebras jagen? Den Kampfadler, der das Erdhörnchen im Visier hat? Manchmal gehört etwas Glück dazu, aber wo es was zu trinken gibt, regiert der Leichtsinn, und das ist unsere Chance, hautnah dabei zu sein. Es ist Mittag und in der flimmernden Hitze entstehen Bilder, die keine sind. Instinktiv drängen sich die meisten Tiere an den Rand der riesigen Salzpfanne, doch wer die Grenze überschreitet, folgt der Einladung in den Tod. Wir bleiben standhaft, schließlich wollen wir morgen den Tierherden nach Süden folgen, zur Gabus Game Ranch, wo alles vorbereitet ist, um uns mit Hilfe einer exzellenten Farmküche vom angenehmen Leben in der Einsamkeit zu überzeugen.
Gnu auf dem Gabus Farmgelände (© Hannes Schleicher / Chamäleon)
So lecker das Essen auf einer Selbstversorgerfarm auch sein mag, wir können nicht zwei Tage lang nur futtern. Da kommt uns die Tatsache sehr gelegen, dass eine Ranch in Namibia kaum Zäune hat und hinter dem Pool der Gabus Game Ranch praktisch die Otavi-Berge 9 beginnen, wo einen die Vogelwelt beim Spazieren beobachtet und nicht selten eine Giraffe oder ein Weißschwanzgnu im Wege steht. Wir versuchen unser Glück und nehmen im zweiten Anlauf den offenen Geländewagen zu Hilfe, denn ein Farmgrundstück in Namibia muss man sich etwas opulenter vorstellen als den heimischen Vorgarten.
Christuskirche in Windhoek (© Hansjörg Richter, iStockphoto.com / Chamäleon)
Im namibischen Hochland verabschieden wir uns vom Luxus endloser Weiten und tauschen in Windhoek 10 die Wüste gegen den Luxus eines Paradieses. Nennt sich Midgard Country Estate und dürfte das grünste Grün sein, das Sie seit langem bewohnt haben. Abgesehen vom blauesten Blau der Pools. Und was ist mit den anderen Farben? Die kommen, sobald Sie im Regenbogenland aus dem Flieger steigen. Willkommen in Kapstadt 11 12. Die dramatische Kaplandschaft, die berühmten Kap-Seerobben auf Duiker Island, die Pinguinkolonie von Simon’s Town, der Table-Mountain-Nationalpark an Afrikas südlichster Spitze und dazwischen die Victoria & Alfred Waterfront mit den Flohmärkten, Cocktailbars und ihrem African Way of (Night-)Life.
Landschaft um Paarl, Weinland (© Kai-Uwe Küchler, Art & Adventure / Chamäleon)
Nehmen Sie Abschied vom Tafelberg aus, denn da sehen Sie auch gleich, wie unser nächstes Ziel saft- und kraftstrotzend in der Sonne schmort: die berühmten Wineyards von Stellenbosch 13. Auf dem Weingut Delheim liegt Antüddeln im Bereich des Möglichen, allerdings müssen Sie bis zur Kleinen Karoo wieder fit sein, denn die Kinder in der Missionsstation Amalienstein verbreiten vehemente Fröhlichkeit, werden sie doch von der Chamäleon Stiftung gefördert. Im Gegensatz dazu die notorisch miesepetrigen Hauptdarsteller in der Straußenstadt Oudtshoorn 14. Auf der Farm des Mooiplaas Guesthouse gibt es dazu beeindruckende Erfahrungen mit dem eigensinnigen Vogel, und wenn Sie einen guten Rat haben möchten: Erzählen Sie ihm nicht, dass Sie zum Frühstück ein Straußenei bestellt haben.
Qolweni Kindergarten (© Anja Pilarski / Chamäleon)
Ab Oudtshoorn geht es auf der berühmten Garden Route nach Knysna an die quadratkilometergroße Lagune. Vom Eastern Head haben Sie das Austerneldorado fest im Blick, und es wächst der Wunsch, für ein paar Augenblicke an dem weiten weißen Traumstrand zu liegen. Können Sie gleich haben, das Himmelreich der Plettenberg Bay 15 ist nicht mehr weit. Rumkugeln lohnt sich, aber erst später, wenn die Sonne nicht mehr so brennt und wir in der Township Qolweni die ermutigenden Perspektiven eines Lebens gesehen haben, das mit einem Fehlstart begonnen hat. Es wird nicht der einzige Hoffnungsschimmer bleiben, denn die von der Chamäleon Stiftung geförderte Field Band Foundation verfolgt ein bemerkenswert erfolgreiches Ziel: musizieren und tanzen, um Kindern ein Selbstwertgefühl zu geben, das Grundlage für ihre gesellschaftliche Integration ist.
Storms River Hängebrücke im Tsitsikamma Nationalpark (© Klaus Hansen / Chamäleon)
Durch den letzten unberührten Urwald Südafrikas mit seinen riesigen Gelbholzbäumen, wuchernden Farnen und seltenen Orchideen erreichen wir den Tsitsikamma-Nationalpark 16. Eine Wanderung entlang der grandiosen Steilküste, eine Umarmung des Big Tree, einen schaudernden Blick von der Hängebrücke in die Schlucht des Storms River Mouth, dann folgt Kenton-on-Sea an der Sunshine Coast. Schuhe aus, Hosenbeine hoch und die Sandtemperatur zwischen den Mündungen von Boesman und Kariega prüfen. Schön, gell? Damit ist auch das Stichwort für unsere Jagd auf die Big Five gefallen. Ein bisschen Glück gehört immer dazu, andererseits leben im Kariega Game Reserve 17 18 noch mindestens zwanzig weitere Arten Großwild. Und was sich auf unseren Pirschfahrten versteckt gehalten hat, erwischen wir bei einer Bootssafari, weil sie der Durst früher oder später ans Ufer des Kariega treibt.
Herero-Frau (© Hannes Schleicher / Chamäleon)
Bis Mittag müssen Sie die ganze Bagage »im Kasten« haben, dann wartet in Port Elizabeth 19 Ihr Flieger, der Sie via Johannesburg nach München 20 bringt. Da ist es immer noch kühl und regnerisch. Wären Sie doch nur dageblieben.
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