»Sense« sind die Reisen, die neben allen Abenteuern auch viel Zeit für Entspannung lassen. Da ist es geradezu zwangsläufig, dass wir in Frankfurt 1 spätabends losfliegen, damit Sie bis zur Landung in Windhoek ein Nickerchen machen können. Das ist insofern doppelt schön, weil die Zeit in Namibia identisch mit der Zeit zu Hause ist. Also ein herzliches »Guten Morgen« zu einem ausgeruhten, langen Erlebnistag in der Kalahari 2. Wenn Sie von Farbe umzingelt sind, dann sind wir da. Denn die leuchtend roten Dünen und das Waschbrettmuster des pulverfeinen Sandes sind das Markenzeichen der Kalahari-Wüste. Eine fantastische Landschaft, bizarr, fesselnd und im Licht der tiefstehenden Sonne von malerischer Schönheit. Aber noch ist es nicht so weit. Erst kommt noch der Pool der Kalahari Anib Lodge, der baumelnde Korbsessel auf der Terrasse Ihres Bungalows und der vierbeinige Besuch, der unangemeldet zwar, aber sehr zuverlässig vorbeikommt, um nach dem Angebot der Futterstelle zu sehen.
Entwurzelt - Köcherbäume (© Kirstin Schröder / Chamäleon)
Ein fetter Stamm und oben eine perfekte Halbkugel, das ist der Köcherbaum. Zusammen acht bis neun Meter hoch, da kann man schon von einem landschaftsprägenden Erscheinungsbild sprechen. Der Künstlerin Marian war das nicht genug. Sie hat »ihren« Köcherbaumwald von Garas mit allerlei Jux-Figuren aufgepeppt, damit etwas Leben in die stille Landschaft kommt. Die San machen seit 20.000 Jahren das Gegenteil: Sie schnitzen aus dem Holz des Köcherbaumes Pfeile und befördern damit das Leben in den Kochtopf. So verkürzen fantastische Geschichten unsere Fahrt in die Zeit vor 500 Millionen Jahre, als die zweitgrößte Schlucht der Erde entstand. 160 Kilometer lang, 27 Kilometer breit und spektakuläre 550 Meter tief. Ihr Name deutet darauf hin, dass sie schon bessere Zeiten gesehen haben muss, denn das mickrige Rinnsal tief unten ­– sofern überhaupt etwas rinnt – rechtfertigt kaum die Bezeichnung Fish-River-Canyon 3 4. Vielleicht war es der Fischfluss einfach leid, sich nach der langen Zeit noch tiefer in die Felsen zu wühlen, aber mit schauderndem Blick hinunter in die Höllenkurve muss man sagen: gelohnt hat es sich.
Klein-Aus (© Carsten von Lüttwitz, Pack Safari / Chamäleon)
Nach den denkwürdigen Hinterlassenschaften der Natur folgen nun die merkwürdigen Hinterlassenschaften des Menschen, die am 1. Mai 1883 mit dem Kauf der heutigen Lüderitzbucht vom Volk der Nama begannen. Kaufpreis: 200 alte Gewehre und 100 englische Pfund – die mit einem Betrug ausgehandelte Geburtsstunde von Deutsch-Südwestafrika. Doch der Reihe nach: Das ehemalige Diamantensperrgebiet sollte den wilden, unlizensierten Abbau der Klunker um Lüderitz verhindern. Aber die Förderung verlagerte sich immer weiter in den Atlantik, was die Zugangsbeschränkungen weitgehend obsolet machte und zum heutigen Sperrgebiet-Nationalpark führte. Ganz am Rand liegt Aus 5, wo jedes Jahr am 27. Januar der Geburtstag von Kaiser Wilhelm II. gefeiert wird. Hier liegt auf 51.000 Hektar Farmland unsere Lodge Klein-Aus Vista mit Sonnendeck und Wild-Horse-Bar. Auch ein Grund zum Feiern.
Lüderitz (© Kai-Uwe Küchler, Art & Adventure / Chamäleon)
Wo die Diamantensucher in kürzester Zeit eine komplette Stadt mit Schule, Krankenhaus, Eisfabrik, Kegelbahn und dem Haus des Apothekers aus dem Wüstensand gestampft haben, wohnen heute die Geister. Und von Jahr zu Jahr füllen sich die teilweise noch eingerichteten Häuser bis an die Decke mit Sand: Kolmanskop, das totenstille Zeugnis einer wirren Zeit. Aber Lüderitz 6 lebt, mit »Lesehalle«, »Ballsaal«, »Woermannhaus« und den Farben des Jugendstils.
Namib Naukluft Park (© Dietmar Willuhn / Chamäleon)
Die Namib. Sie ist die älteste Wüste der Welt. 80 Millionen Jahre, und würde sie am Atlantik nicht in ihren Tod marschieren, wer weiß, wie viele unsterbliche Muster sie noch in den namibischen Boden gezeichnet hätte. Der Namib-Naukluft-Park 7 schützt diese einzigartige Landschaft, nach der Sprache der Ureinwohner ein »Ort, wo nichts ist«. Aber da irrten die Nama. Denn bei diesen Farben, dieser betörenden Stille und dem Überglück der Desert Hills Lodge kann man nicht sagen, es sei nichts. Schlafen Sie gut. Noch im Dunkeln beginnt Ihr Abenteuer in das Weltnaturerbe Sossusvlei 8. Wenn die ersten Sonnenstrahlen über die Hunderte Meter hohen, spiegelblank gepusteten Dünen steigen, müssen wir dort sein. Ganz rauf, das ist Ehrensache, und wenn Sie der Hafer sticht (welcher Hafer?), in Purzelbäumen wieder runter. Schuhe und Hosentaschen werden so oder so randvoll mit Sand. Unten, im Dead Vlei, geben die Akazien ihr Bestes, auch wenn sie schon 500 Jahre tot sind.
Swakopmund am Atlantik (© Kai-Uwe Küchler / Chamäleon)
Dort, wo die Namib in ihr nasses Verderben rennt, liegt Swakopmund 9 10, die deutscheste aller namibischen Städte. Mit dem alten Rathaus im Stil einer Puppenstube, dem Traum von einem Bahnhof, dem Hohenzollernhaus, dem Amtsgericht, Bismarckplatz und so weiter. Klingt nach viel, hat aber Taschenformat, weshalb Sie mit Genuss durch ganz Swakopmund schlendern können. Halbzeit im Café Anton bei Schwarzwälder Kirschtorte. Dreiviertelzeit frisch gezapft nach deutschem Reinheitsgebot, und am Abend auf die alte Seebrücke, wo die Tische fein gedeckt sind und unten drunter die Austern haustern. Das Lied zur guten Nacht singt Ihnen heute der Ozean in der schnuckeligen Hotel-Pension à la Mer. Mit bodentiefen Fenstern, damit Sie auch sehen, wo die Namib geblieben ist.
Schnappschuss mit Herero-Dame (© Susanne Schulz / Chamäleon)
Wenn das Meer nur noch aus Sand und Farben besteht und violett schimmernde Berge den Regen zurückhalten, der sowieso nicht kommt, wo also nichts ist außer purer Faszination, da sitzen die Herero-Frauen am Fluss Ugab und nähen ihren ausgefallenen Kopfschmuck. Ephemer nennt man solche Flüsse, zeitweise wasserführend, meistens aber nicht. Immerhin reicht es für einen Tupfer Grün in der ausgetrockneten Landschaft. Wenn noch ein frisches einladendes Blau dazukommt, dann haben wir den Pool der Gästefarm Gelukspoort 11 erreicht.
Herrscher am Wasserloch (© Arno Becker / Chamäleon)
Das Grün, von dem die Rede war, sind genügsame Mopanebäume, Sträucher und Grasbüschel, die kaum so schnell wachsen können, wie sie abgefressen werden. 35 Hektar Land ernähren ein Tier. Was stehenbleibt, weist uns den Weg durch die Fransfontein-Berge an den Ort Ihrer Sehnsucht. Vielleicht wissen Sie es noch nicht, aber wenn unsere Zeit im Etosha-Nationalpark 12 13 14 vorbei ist, werden Sie nie mehr aufhören, davon zu erzählen. Schwer genug, sich einen 22.000 Quadratkilometer großen Zoo vorzustellen, wo jeder nach seiner Art tun und lassen darf, was er will. Und was da alles reinpasst: 114 Säugetierarten, 110 Reptilienarten, 16 Amphibienarten, 340 Vogelarten. Aber wie viele von jedem, das müssen Sie bitte selbst rausfinden, denn dafür sind Sie bis kurz vor Sonnenuntergang auf Safari.
Zugabe? Überredet! Zur Einstimmung spielen an der typisch afrikanischen Shebeen-Bar des Etosha Safari Camps die »Etosha Safari Boys« und das Küchenpersonal liefert ein Abendessen dazu, das Sie bei genauerer Betrachtung heute schon mal gesehen haben. Aber da lief es noch. Dann also Safari Teil zwei: diesmal zu den Wasserstellen, wo sich bevorzugt Steinböckchen, Spießböcke, Antilopen, Zebras und Elefanten ins lebensspendende Nass stürzen. Was übrig bleibt – falls etwas übrig bleibt­ – ist für die Kleinen: Damara-Dikdik, Zwergmangusten, Buschhasen, Wüstenfüchse, die Kleinfleck-Ginsterkatze, Kronenducker, Honigdachse und Konsorten. Aber wehe, es kommt ein Löwe vorbei.
Natur pur (© Hajo Weinert / Chamäleon)
Manches von dem, was Sie in den Stunden des Jagdfiebers gesehen haben, mag Ihnen wie eine Fata Morgana vorgekommen sein. Und dann kommt tatsächlich noch eine. Auf unserer Route vom Süden des Etosha-Parks nach Osten liegt die Senke, die vor vielen Millionen Jahren einmal ein See war. Spät zwar, aber immerhin seit 2016, steht die Etosha-Salzpfanne auf der Liste zur Ernennung als Weltnaturerbe. Vielleicht warten die Gremien noch auf die passende Luftspiegelung, wir wollen weiter und lassen uns gern ein bisschen täuschen. Keine Täuschung, aber eine faustdicke Überraschung, sind die Wineyards in den Otavi-Bergen 15 16. Hier, im trockensten und zugleich kleinsten Weinbaugebiet der Erde, gibt die Familie Thonningii alles für ihre Leidenschaft. Leiden bei vorwiegend über 40 Grad inbegriffen. Von Hand gelesen, gepresst, gebottled und gelabelt. Von Ihnen probiert und für »hmm« befunden.
Auf Reise (© Stefanie Möri / Chamäleon)
»In the circle of life it’s the wheel of fortune«, heißt es im König der Löwen. Unser Kreis des Glücks beginnt, sich im Ouhave Country Home 17 18 zu schließen. Drei Generationen der Familie Sohrada pressen dem staubigen namibischen Boden mit Rinderzucht, Pekanussbäumen und dem Abbau von Holzkohle ein auskömmliches Leben ab. Der sehr persönliche »Nebenverdienst« ist die Gastfreundschaft und die Glücksmomente einer echt namibischen Farm. Kennen Sie nicht? Dann führt Sie Hans Sohrada über das Farmgebiet und erzählt, warum die Freiheit, die fehlende Hektik, die Natur, der Sternenhimmel für die viele Arbeit entschädigen. Was für Sie noch zu tun bleibt, ist überschaubar. Was halten Sie vom Pool?
Näherin in Penduka (© Chamäleon)
Abreisen, ohne die Erbstücke der Geschichte gesehen zu haben, geht gar nicht. Christuskirche, Tintenpalast, historischer Bahnhof ­– in Windhoek 19 ist aus gestern und heute ein neues Ganzes entstanden. Wenn Sie davon etwas mitnehmen möchten, bei den Frauen von Penduka in der Township Katutura finden Sie bestimmt das eine Teil, das Sie noch lange nach Ihrer Rückkehr in Frankfurt 20 daran erinnert, warum diese Reise den Zusatz »Sense« getragen hat.
Diamonds SENSE - 20 Tage Wunderwelten-Reise
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