Kaum, dass die Sonne in Frankfurt 1 untergegangen ist, geht es nur noch darum, sich in den Flugzeugsitz zu kuscheln und ein bisschen zu träumen. Kaum, dass die Sonne in Windhoek 2 aufgegangen ist, ist der Traum auch schon wahr geworden. Und wenn Sie schon mal da sind, führt kein Weg an der Schnittmenge von gestern und heute vorbei. Von gestern die Christuskirche, der Tintenpalast, der historische Bahnhof, das verblichene Glanzstück aus der deutsch-südwestafrikanischen Ära. Von heute, das ist ein Käffchen im Namibia Craft Centre, inmitten authentisch namibischem Lebensstil. Zu denen in der ehemaligen Township Katutura auch die Frauen von Penduka gehören. Unterstützt von der Chamäleon Stiftung haben sie mit Kunsthandwerk den Weg in Freiheit und Selbstständigkeit geschafft.
Kämpfende Oryxantilopen (© Thomas Neubauer / Chamäleon)
Der zweite Eindruck gehört der Landschaft. Vielmehr den Landschaften, die in Namibia wechseln wie Uli Hoeneß die Gesichtsfarbe. Das ganze Spektrum von blassrosa bis rotviolett begleitet uns nach Norden in die Otaviberge 3. Dort erwarten uns in einer liebevoll restaurierten Missionsstation die Farben herzlicher Gastfreundschaft. Und der leuchtende Blauanteil kommt woher, na? Vom Pool natürlich.
Einbruch der Dunkelheit (© Mario Fuß / Chamäleon)
Seien Sie froh, dass Sie Ihr Steak nicht mehr selbst jagen müssen. Und sollten Sie diese Methode ohnehin für ausgestorben halten, dann passen Sie heute gut auf. Im Historic Living Village der San 4 werden Sie es (wieder) lernen. Wie zu Zeiten des freien Nomadentums, lebt der älteste Volksstamm Afrikas in traditionellen Grashütten und unter alten Mangettibäumen. Hier betreten Sie kein Museum, sondern das richtige Leben. Die San lehren uns, wie man ohne Streichhölzer Feuer macht, Schmuck und Seile herstellt, Spuren liest, Fallen stellt, Naturmedizin findet und Pfeile für die Jagd präpariert. Und wie sich das nach getaner Arbeit gehört, wird gespielt, getanzt und am Lagerfeuer gesungen. Die San mit Ihnen und Sie mit den San.
Der Ball ist rund (San-Buschmänner) (© Reinhard Breitenstein / Chamäleon)
Schwer genug, sich 22.000 Quadratkilometer reinrassiges Tierreich vorzustellen, wo jeder nach seiner Art tun und lassen darf, was er will. Noch schwerer ist die Vorstellung, was da alles reinpasst. Soviel können wir Ihnen verraten: 114 Säugetierarten, 110 Reptilienarten, 16 Amphibienarten, 340 Vogelarten. Aber wie viele von jedem, das müssen Sie bitte versuchen, selbst herauszufinden, denn dafür sind Sie bis kurz vor Sonnenuntergang auf Safari im Etosha-Nationalpark 5 6. Unser Tipp: Versuchen Sie es erst gar nicht, genießen Sie die beglückenden Momente, Großtier-Verbänden in freier Wildbahn so nahe zu kommen. Wir legen auch noch eine Safari drauf. Diesmal zu den Wasserstellen, wo sich bevorzugt Gemsböcke und Elefanten ins lebensspendende Nass stürzen. Was übrig bleibt – wenn was übrig bleibt – ist für die Kleinen: Damara-Dikdik, Zwergmangusten, Buschhasen, Wüstenfüchse, die Kleinfleck-Ginsterkatze, Kronenducker, Honigdachse und, und, und. Die Wasserstelle, in die wir uns stürzen, liegt auf der Gästefarm Gelukspoort und ist himmelblau. Sie verstehen?
Aufgewacht (© Wolfgang Witteborg / Chamäleon)
Gebirge und Wüste, wie passt das zusammen? Gut passt das, das werden Sie heute sehen. Denn um dorthin zu kommen, wo die Namib nach 80 Millionen Jahren ungerührt in den Atlantik marschiert, steht uns das Erongo-Gebirge 7 im Weg. Da trifft es sich gut, dass Deike und Harald Rust im Windschatten der violetten Bergkette das Omandumba Bush Camp eingerichtet haben. Die ganze Familie einschließlich Farmdackel sind damit beschäftigt, Ihnen ein namibisches Zuhause-Gefühl zu geben.
Stolze Herero-Frau (© Horst Stolz / Chamäleon)
Erongo am Abend, erquickend und labend. Erongo am Morgen, verjagt Kummer und Sorgen. Ok, Ihre einzige Sorge wäre ohnehin die Frage gewesen, was es zum Frühstück gibt? Es gibt frisches Farmbrot, Wildrauchfleisch, Kräuter aus dem eigenen Bio-Gemüsegarten und alles, was echte Farmer selbst essen. Aber zurück zum Erongo. Morgens hat der Berg eine andere Farbe als abends. Die ganze Landschaft ist eine andere, ein Abschiedsgemälde zum Hindurchwandern. Ein Stündchen nur, dann kommt die Stadt, die sich mit Namen wie Altes Amtsgericht, Kristallgalerie, Wasserfallstraße, Bismarckplatz, Hohenzollernhaus usw. verrät. Klingt sehr deutsch, was es auch mal war, obwohl immer noch viel deutsch gesprochen wird. Klingt auch nach viel, was nicht zutrifft, weshalb Sie mit Genuss durch ganz Swakopmund 8 schlendern können. Halbzeit im Café Anton bei Schwarzwälder Kirschtorte. Dreiviertelzeit frisch gezapft nach deutschem Reinheitsgebot und auf der alten Seebrücke für den Abend einen Tisch reservieren. Tipp: Unter der Seebrücke haustern die Austern.
Prachtvolle Bauten in Swakopmund (© Peter Pack, Packsafari / Chamäleon)
Wo seit über 5.000 Jahren achtzig Prozent aller im südlichen Afrika lebenden Flamingos Kleinkrebse und andere Spezialitäten aus dem Schlamm picken, können wir nicht achtlos vorbeifahren. Nicht der Krebse wegen, sondern der sagenhaften Flamingoschwärme in der Walvis Bay 9. 160.000 Vögel und 200.000 Seeschwalben kümmern sich um die Reste, die die Flamingos liegen lassen. Aber dann machen wir die Flatter von der Küste in die Wüste. Der Name sagt schon alles: Namib Desert Lodge. Was er (noch) nicht sagt, ist dieses sensationelle Licht, das im Farbenmeer der Wüste spielt. Es braucht auch keine Worte, wenn wir durch den Namib-Naukluft-Park dem Weltnaturerbe Namib Sand Sea entgegenfahren. Die überwältigenden Bilder sagen alles. Die Lodge – eine der schönsten Farmen in Namibia – ist Ihr Startloch für das Abenteuer Sossusvlei. Aber erst morgen früh, heute sind erst noch die versteinerten Dünen mit ihren Tafelbergen dran. Die unvorstellbare Weite, wo der Sand beim Zugucken von Ocker zu Gelb und glühendem Rot wechselt. Die Pools, die Bar, das offene Restaurant und wenn Sie möchten eine Sundownerfahrt in die Zeitlosigkeit. Danach herrscht Totenstille, bis auf die Lärmgeckos vielleicht, die im Schutz der Nacht ihre Weibchen anlocken. Über die Erfolgsquote ist nichts bekannt, ist schließlich dunkel.
Heute gibt es Fisch! (© Dieter Lehmann / Chamäleon)
Noch bevor die Sonne aufgeht, wird es Zeit, ins Meer zu fahren. Ins Meer? Haben Sie richtig gelesen. Mit Allrad ins Namib-Sandmeer, seit neuestem Weltnaturerbe. Nacht für Nacht pustet der Wind im Sossusvlei 10 eine neue Landschaft von bizarrer Eleganz zurecht, weshalb die Spuren, die wir hinterlassen, morgen schon Geschichte sind. Die einzigartige Lichtstimmung des frühen Morgens wirkt wie ein Zugpferd. Sie begleitet Sie durch eine außerirdische Dünenlandschaft, bis wir oben sind. Ein 350 Meter hoher Sandhaufen, das ist unser Gipfel. Die zwei Liter Wasser, die Sie bis dahin getrunken haben, sind schon wieder draußen, aber das Gefühl ist und bleibt unbeschreiblich. Cool-down, wenn auch nur ein paar Grad, heißt es im Schatten des Sesriem-Canyons, den der Trockenfluss Tsauchab zwei Millionen Jahre lang in das Sedimentgestein hineingeknabbert hat, um schließlich als Galeriewald zu enden.
Dünenaufstieg (© Rüdiger Haselbach / Chamäleon)
Es wird Zeit, den Kreis zu schließen. Für eine kleine Wanderung durch die botanischen Schätze des Namib-Naukluft-Parks 11 ist noch Zeit, dann nehmen wir die Ausfahrt aus der biblischen Skelettwüste nach Rehoboth. In der ehemals deutschen Station begegnen wir den Bastern, einer kleinen unbeugsamen Volksgruppe, die einst aus den Beziehungen zwischen Nama-Frauen und weißen Siedlern hervorgegangen ist. Die Auasberge kommen wieder in Sicht und es ist nun nicht mehr weit in die Auas Safari Lodge. In Conny’s Restaurant wartet schon ein begnadeter Koch auf uns, und so werden Sie ein paar Bekannte der vergangenen Tage wiedersehen. Als Kudu-Steak oder Fleischbällchen oder Oryx-Bobotie nach Art der Baster.
Versteinerte Dünen der Namib (© Kai-Uwe Küchler, Art & Adventure / Chamäleon)
Zäune sind in Namibia schon lange verboten, damit das Wild ungehindert zu den seltenen Grasbüscheln marschieren kann, die auf 35 Hektar gerade mal für ein Tier reichen. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass schon beim Frühstück eine Giraffe oder ein Steinböckchen an Ihrem Tisch vorbeischaut. Spätestens aber, wenn wir im offenen Safariwagen durch den Wildpark der Auas Safari Lodge 12 13 pirschen, haben Oryxantilopen, Weißschwanzgnus, Kudus, Giraffen, Strauße und Wasserböcke von rechts und links Vorfahrt. Bis das magische Feuerwerk des Sonnenuntergangs sein Bestes gibt, Ihnen den Abschied richtig schön schwer zu machen. Damit Sie sich nach der Landung in Frankfurt 14 immer daran erinnern, dass Sie noch einmal nach Namibia müssen. Denn unglaublich viel haben Sie gespürt, aber längst noch nicht alles erlebt.
Namib - 14 Tage Wunderwelten-Reise
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