In einem Rutsch von Frankfurt nach Delhi 1. Was Ihnen für den Moment wenig nützt, denn es ist zappenduster, wenn Sie landen. Dafür ist Ihr Hotel mit einem willkommenen Komfort gesegnet und was die indische Kultur-Metropole betrifft: Wir kommen darauf zurück.
Gebetsfahnen im Paro-Tal (© Red Lion Travel / Chamäleon)
Ganz Bhutan, das Land des Donnerdrachens, hat gerade mal so viele Einwohner wie Stuttgart. Das werden gemütliche Tage, wären da nicht die allgegenwärtige Kulisse des Himalaya, die unwegsamen Wälder, durch die Schneeleoparden und Tiger streifen, und das vom tiefen Glauben an den tantrischen Buddhismus geprägte Leben. Es gibt nicht viele Schleichwege, die durch die Berglandschaften nach Bhutan führen, und man sagt Samdrup Jongkhar 2 nach, dass es nur durch den Handel an der grünen Grenze zu Indien entstanden sei. So wurde aus dem Ort der versteckten Geschäfte ein bedeutender Wirtschaftsplatz und offizielles Eingangstor ins Land des »verordneten Bruttonationalglücks«.
Tigernest-Kloster über dem Paro-Tal (© Kai-Uwe Kuechler / Chamäleon)
Die geografischen Richtungsangaben in Bhutan sind ziemlich einsilbig: Egal wohin, es geht immer nach oben. Oben werden die Täler enger, die Berge höher und der Regenwald dichter. Sattes Grün beherrscht die Passstraße nach Khaling, wo die Women Association of Bhutan alt und neu unter einen Hut bringt. Das Alte oder sagen wir lieber: Traditionelle, ist alles, was sich weben ließ und an der grünen Grenze zum Hauptexportartikel wurde: Ponchokleider, Umhänge, Decken und Bildwirkerei. Das Neue ist die Weberschule, um die überlieferte Textilkunst zu bewahren und jungen Frauen mehr Lebensinhalt zu geben, als geheiratet zu werden. Was in der abgeschiedenen Gebirgsregion um Trashigang 3 allerdings immer noch an der Tagesordnung ist. Alternativlos sozusagen.
Umrundung der Memorial Chorten in Thimphu (© Red Lion Travel / Chamäleon)
Es war einmal ein tibetanischer Herrscher, der seinen Untertanen befahl, eine Bergspitze abzutragen, weil sie die Morgensonne auf seinen Palast verhinderte. Und während die Bauern bereits Hammer und Sichel zusammentrugen, kam die weise Aum Jomo mit dem Vorschlag, es sei doch einfacher, dem Herrscher den Kopf abzuschneiden als den des Berges. Damit hatte sie ziemlich tief ins Fettnäpfchen getreten, weshalb ihre Sippe, die Brokpas, notgedrungen zu Halbnomaden wurden, die heute noch unterwegs sind, um ihre Yakprodukte gegen andere Lebensmittel einzutauschen. Solche Geschichten begleiten uns durch das malerische Tal von Ranjung 4 zum heiligen Chorten Kora und den Tempel Gom Kora mit den Wundertaten des Guru Rinpoche, der Bhutan den Buddhismus brachte. Jetzt noch über den Kori-La-Pass, dann sind wir für heute hoch genug und in Mongar 5.
Nebel im Punakha-Tal (© Kai-Uwe Kuechler / Chamäleon)
Wo viele Berge stehen, sind die Täler nicht weit. Im Wechsel von Dörfern, Feldern und Seen entsteht eine märchenhafte Idylle, in der Wassermühlen aus dem 18. Jahrhundert einen gemächlichen Takt vorgeben. Beileibe keine Museumsstücke, sie drehen sich nach wie vor im Rhythmus des Alltags. Der Chogyam-Tempel im Tang-Tal 6 hat da weniger Glück. Er gibt den Kampf gegen den Zahn der Zeit zunehmend verloren. Immerhin stehen die Mönche des zugehörigen Klosters auf seiner Seite, die uns – eine kleine Spende verlängert Redezeit und Chancen des Tempels – die Geschichte der heiligen Stätte erzählen, in der noch 15 Waisenkinder leben. Fortsetzung in einer bhutanischen Familie. Mit allen Freuden und Nöten des Alltags und einem Abendessen von Hand gemacht.
Punakha-Dzong zwischen zwei Flüssen (© Kai-Uwe Kuechler / Chamäleon)
Es liegt im Auge des Betrachters, wie Bumthang 7 8 übersetzt wird, wobei »thang« zweifelsfrei für den Platz oder die Stelle steht. »Bum« hingegen wird als Gefäß für heiliges Wasser und damit die fruchtbare Hochebene oder die schönen Mädchen im Tal interpretiert. Entscheiden Sie das bitte selbst. Es ist nun an der Zeit, etwas für Ihr gutes Karma zu tun. Kurjey Lhakhang, die letzte Ruhestätte der ersten drei Könige von Bhutan, ist der ideale Ort dafür. Das herausragende Kloster wurde um eine Höhle herum gebaut, in der schon der Religionsstifter Guru Rinpoche meditierte. Wir zünden ein Butterlämpchen an und helfen damit, die bösen Geister zu vertreiben. Die Belohnung folgt auf dem Fuß: nennt sich Red Panda und braut bhutanisches Bier. Heiliger Gerstensaft.
Klosterfestung Trongsa-Dzong hoch über der Stadt (© Kai-Uwe Kuechler / Chamäleon)
Die Wege im Himalaya sind nicht schnurgerade, keine Autobahn nirgends. Es geht hin und her, nach links und rechts, durch Täler und über Höhenzüge. Wenn Sie bis hierher noch nicht zu einem tiefen inneren Gleichklang gefunden haben, hilft nur noch eines: das Winterquartier der Schwarzhalskraniche in der Abgeschiedenheit des Phobjikha-Tals 9. Straßen werden zu Pfaden, Dorfgrenzen verlieren sich in der Weite der Bilderbuch-Landschaft und immer grüßen die schneegetoppten Gipfel des Himalaya-Massivs.
Mönch im Kloster Tamshing Lhakang in Bhumtang (© Kai-Uwe Kuechler / Chamäleon)
Im Kloster Chimi Lhakhang ist es der Tempel der Fruchtbarkeit, den wir nach einer Wanderung durch das Lobesa-Tal erreichen. Wälder voll Rhododendron, Magnolienhaine und grellgrüne Reisfelder scheinen die Wirkung des Tempels zu bestätigen. So schenkt Ihnen die Zeit in Punakha 10 ein ergreifendes Stückchen vom Dach der Welt. Auf ihm wandern wir an jene Stelle, die der Menschheit Frieden, Stabilität und Harmonie schenken soll, zum Khamsum-Chorten. Ob nun der »Palast des großen Glücks« zwischen Mann-Fluss und Frau-Fluss oder jeder andere der großzügig verteilten Dzongs – immer waren es die Mönche, die mit ausgeprägtem Kunstsinn ihrem Glauben Ausdruck gaben. Ihr Leben war ungleich bescheidener als ihr Wirken. Zumindest optisch bleibt uns das Glück hold, denn selbst auf der Passstraße über den Dochula erinnern Girlanden von Gebetsfähnchen an den Segen Ihrer Reise. Die Dankbarkeit der Menschen ist allgegenwärtig.
Brennender See im Tang-Tal (© Kai-Uwe Kuechler / Chamäleon)
Tief durchatmen bitte, so eine Luft hatten Sie noch nie. Und das bleibt selbst in der Hauptstadt Thimphu 11 so. Seelenruhig liegt sie im grünen Kessel der Himalaya-Gipfel und schöpft Kraft aus den segensreichen Fluten des Wang Chu. Handgesiebte Papiere für die Klöster kommen von hier, denn dafür braucht man neben einem reinen Gewissen viel reines Wasser. Offenbarer aber als die Geheimnisse des Handwerks sind die Chorten allerorten. Die mit Gebetsfähnchen dekorierten Kultbauten zur Verehrung des Buddhismus sind der Beleg für das kollektive Glück der Menschen hier. Ein Gefühl, das im Tempel Changangkha Lhakhang auch für Sie reserviert ist. Ihr Geburtsdatum ist alles, was der Astrologe braucht, um das Fähnchen zu bestimmen, das Sie ab heute beschützen wird. Sie spüren noch nichts? Kommt gleich, spätestens ab Paro 12, wo nicht nur der Paro Chu und der Wang Chu, auch die Energieströme einer nepalesischen, einer tibetischen und einer bhutanischen Stupa zusammenfließen, hält Buddha die Fäden Ihres Lebens in der Hand.
Traditioneller Maskentanz in Paro (© Kai-Uwe Kuechler / Chamäleon)
Wer sich ein kleines bisschen auskennt, der bekommt bei dem Namen Tiger’s Nest 13 leuchtende Augen. Das berühmte buddhistische Kloster, das eher wie ein Schwalbennest auf 3.120 Meter Höhe am Felsen klebt, ist nur zu Fuß und entsprechend spektakulär erreichbar. Das hindert uns nicht am Aufstieg zu den neun heiligen Höhlen, deren Name sich aus der Legende ableitet, dass der Begründer des tibetischen Buddhismus wie eingangs angedeutet auf einem Tigerweibchen geflogen kam. Brumm brumm. Boiiing. Und geblieben.
Berge des Himalaya (© Red Lion Travel / Chamäleon)
Eines Tages wird Bhutan direkt angeflogen werden und das wäre schön. Vielleicht auch nicht, damit die religiöse Seelentiefe noch lange ihre Ruhe hat. Wir nehmen den Weg wie am ersten Tag versprochen: mit überwältigenden Blicken auf die Landschaften und Himalaya-Gipfel zurück nach Delhi 14. Für das India Gate, den Palast des Präsidenten und das Weltkulturerbe Qutub Minar ist noch Zeit, bis Ihr Flieger geht. Natürlich geht er nicht, sondern fliegt Sie komfortabel nach Frankfurt 15. Wie lange es auch halten mag, für den Moment jedenfalls sind Sie ein anderer Mensch geworden.
Himalaya - 15 Tage Wunderwelten-Reise
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