Fasten your seatbelt! Für Ihren Flug von München 1 nach Shanghai natürlich auch. Aber mehr noch als Trainingseinheit für Ihren ersten Eindruck in der Stadt, die einem den Atem verschlägt. Erster Härtetest: Mit 430 Stundenkilometern an den Bund, jene berühmte Uferpromenade, die vollgepackt mit kolonialen Prachtbauten und den Türmen von Asiens größtem Finanzplatz einen Bogen über hundert Jahre Geschichte schlägt.
Skyline von Shanghai (© Dietmar Kirbach / Chamäleon)
Zweiter Versuch: die Sonderwirtschaftszone Pudong, Jinmao-Tower, achtundachtzigster Stock, 420 Meter hoch. Spätestens jetzt sollten Sie Ihre Herztropfen griffbereit haben, denn unter Ihnen liegt keine Stadt, das ist eine Welt unglaublicher Gegensätze. Ein Hexenkessel, ein Paradies ­– so sind Ihre Tage in Shanghai 2 3 zwischen Millionenmetropole und chinesischer Gartenbaukunst im Yu-Garten. Zwischen Hightech und verspielten Brücken aus den Zeiten der Ming- und Qing-Dynastie. Und dann die Nächte. Schlafen oder dem lockenden Lichtermeer verfallen, das ist hier die Frage.
Neuer Sommerpalast in Peking (© FVA China / Chamäleon)
1.318 Kilometer nach Peking 4, geschafft in gut fünf Stunden. Da können Sie sich den Schnitt selbst ausrechnen. Wobei nicht nur die Fahrt, auch die Zeit wie im Fluge vergeht, denn neben Ihnen sitzen lauter Einheimische, die bekanntermaßen überaus freundlich und sehr neugierig sind. Dann aber ohne Umwege zu der sagenhaften Karriere der Kaiserinwitwe Cixi von einer unbedeutenden Nebenfrau zur einflussreichsten Persönlichkeit der Qing-Dynastie. Ihr verdankt die Nachwelt den wundervollen Sommerpalast am Kunming-See mit der farbenfrohen Suzhou-Straße, dem Garten der Tugend, der Halle, wo man den Pirolen lauscht, dem Pavillon der kostbaren Wolken und so fort. Weltkulturerbe, was sonst?
Die Chinesische Mauer (© Thorsten Gernig / Chamäleon)
Schön ist eine Dimension, die für zwei Meisterwerke der chinesischen Architektur nicht annähernd ausreicht. Versuchen wir es mit bombastisch, zauberhaft, überwältigend, dann kommen wir dem Symbol kaiserlicher Macht schon näher. Durch das Tor des Himmlischen Friedens betreten wir die Verbotene Stadt, nationales Heiligtum und Weltkulturerbe. Der Palast der himmlischen Klarheit, die Neun-Drachen-Mauer, die Halle der mittleren Harmonie – Faszination und kein Ende. Aber das zweite Meisterwerk wartet noch. Bei Sonnenuntergang sind wir da, am größten Bauwerk der Menschheit, wenn es uns fast alleine gehört für eine Zeit der stillen Ergriffenheit: die Chinesische Mauer 5.
Begegnung im Hutong-Viertel (© Thorsten Gernig / Chamäleon)
Wär das was für Sie? In den frühen Morgenstunden sind die Parks in Peking  mit Einheimischen voll, die mit Gymnastik, Tänzen oder Tai-Chi das Volkswohl hochhalten. Sollte Ihnen zu dieser Stunde noch nicht so wohl sein, tut es auch der Himmelstempel, in dem die Kaiser für eine gute Ernte beteten. Kaum vorstellbar, dass bei dieser monumentalen Pracht des Weltkulturerbes die Gebete nicht geholfen haben. Zumindest einen Hinweis darauf geben die Hutongs von Peking 6, die endlosen Labyrinthe traditioneller Gassen, vollgestopft mit Marktständen und Garküchen. Wir lassen uns bei einem Besuch vom ursprünglichen Alltag in den alten Vierteln erzählen, bis wir Hunger haben. Dann kommt, was kommen muss: In Frankfurt wären es Würstchen und hier – na? Richtig, Ente.
Terrakotta-Marsch (© Thorsten Gernig / Chamäleon)
Wie sollen wir das Unbegreifliche erklären? Heute sehen Sie das größte Grab der Menschheit? Oder: Heute sehen Sie ein paar tausend Weltkulturerben auf einmal? Klingt beides nach maßloser Übertreibung und ist dennoch richtig, weil Xi’an 7 ein Ort ist, zu dem bis heute nichts Vergleichbares gefunden wurde. Vordergründig betrachtet handelt es sich um eine frühchinesische Grabanlage aus dem Jahre 210 v. Chr., bei Lichte besehen um eine Armee aus 7.278 lebensgroßen Terrakotta-Soldaten, keine einzige Figur doppelt, dazu rund 130 vierspännige Wagen mit Pferden aus Bronze oder Ton. Aber erst ein Viertel des Mausoleums ist freigelegt und der eigentliche Grabhügel bis heute unangetastet. Sie werden also noch einmal wiederkommen müssen.
Auf einen Tee (© Stephan Wahl / Chamäleon)
Hätten Sie gedacht, dass es eine Panda-Hauptstadt der Welt gibt? Eine, wo der Große Panda mehr Fürsorge genießt als sich die Pflegeversicherung in Deutschland vorstellen kann. In Chengdu 8 9 ist das so. Nennt sich »Chengdu Research Base of Giant Panda Breeding« und hat einzig die Aufgabe, den Nachschub an dem nationalen Symbol sicherzustellen, von dem es aktuell keine 2.000 Exemplare mehr gibt. Was dem Panda der Bambus, sind im Wenshu-Kloster die Teegärten. Der am besten erhaltene Tempel der Stadt hat über die Zeit von 1.200 Jahren hunderte Kalligraphien und Kunstwerke vor dem Verfall bewahrt. Darunter Sutrentexte des 18. Jahrhunderts, die von drei buddhistischen Mönchen mit dem Blut ihrer Zungenspitzen geschrieben wurden. Sagt man. Da liegt uns das habhafte Vergnügen der ältesten Einkaufsstraße Chengdus doch bedeutend näher.
Bauer bei der Feldarbeit in Guilin (© Hannes Schleicher / Chamäleon)
Durchatmen in der Frische der Natur und mitschweben, wenn die Nebel aus den Bergwäldern steigen, das ist Wellness auf Chinesisch. Das ist Yangshuo 10, ein Wunderland von märchenhafter Schönheit, eingebettet in das Postkartenmotiv hunderter Karstberge mit grünen Zipfelmützen. Wasserbüffel sehen uns gelangweilt nach, von den Feldern winken die Bauern und später – in den ruhenden Gassen – wird ein herzliches Willkommen gelächelt. Im Zeitlupentempo verbindet der Yulong-Fluss 11 eine Zauberwelt, die in China als Inbegriff von Schönheit gilt. Da bleibt uns keine angenehmere Wahl, als auf dem Bambusfloß ein Stückchen mitzuzaubern. Dann steht zwischen uns und dem Höhepunkt Ihrer Reise nur noch der Schnellzug. Das heißt, er steht natürlich nicht, sondern rast in dreieinhalb Stunden nach Hongkong.
Abends in Hong Kong (© Hannes Schleicher / Chamäleon)
Um das Maß an Überwältigung gleich am Anfang vollzumachen, beginnt Ihre Zeit in Hongkong 12 13 kurz bevor sich ein galaktisches Lichtermeer über die Stadt ergießt. Und – so ein glücklicher Zufall – liegt Ihr Hotel doch im Stadtteil Kowloon, der durch den Victoria Harbour von Hongkong Island getrennt ist. Kurze Distanz zu allen Sensationen. Auf dem Union Square spielt die Sonne einen letzten Akt mit den Schatten unvorstellbarer Wohntürme, dann gilt: Je dunkler es wird, desto dringlicher brauchen Sie eine Sonnenbrille gegen das Flammenmeer der Leuchtreklamen. Entlang der Uferpromenade durch die Temple Street bis zum Ladies Market ist Stehvermögen gefragt, um all den exotischen Angeboten und Köstlichkeiten zu widerstehen, die Ihnen entgegengehalten werden. Und Nerven brauchen Sie auch noch, bei einem letzten Blick vom 550 Meter hohen Victoria Peak auf das atemberaubende Panorama dieser unfassbaren Stadt. Dann ist der Zauber vorbei und der Rückflug nach München 14 unausweichlich. Alles so duster hier.
Hongkong - 14 Tage Wunderwelten-Reise
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