Der Iran, das alte Persien, ist ein kulturelles Märchen. Und während Märchen üblicherweise in einer weit zurückliegenden Zeit spielen, von der oft nur eine traumhafte Vorstellung bleibt, leben sie hier wie eh und je. Was sicher daran liegt, dass Sie nach dem Start von Frankfurt an jenem Ort landen, der schon immer Schauplatz der Geschichten aus 1.001 Nacht war: Teheran 1 2. Hier laufen die Fäden einer wechselvollen Geschichte zusammen, und wenngleich viele Seldschuken, Mongolen, Safawiden, Zand-Prinzen, Kadscharen, Pahlavis und Chomeinis nur noch in Öl an den Wänden hängen, haben alle auf ihre Weise Teheran zum bedeutendsten Kulturzentrum des Iran gemacht. Unvorstellbar, aber hier stehen sie: Die Dekorationsschale aus dem 4. Jahrtausend vor Christus, das Speichenrad aus dem 2. Jahrtausend, die Werkzeuge der Neandertaler, 8.000 Jahre alte Menschen- und Tierfiguren, Buchmanuskripte und persische Miniaturmalereien auf chinesischem Papier von 753. Alles im Iranischen Nationalmuseum. Man verlässt es sprachlos und bleibt stumm, bis es am Abend Walnuss-Grantapfelsirup-Fleischsoße mit Duftreis gibt. Hinterher dann geröstetes Mehl mit Safran-Zucker-Rosenwasser. Oder so ähnlich jedenfalls.
Zwei ältere Iraner im Zelt (© FVA Iran / Chamäleon)
Soltanije, die ehemalige Sultansresidenz, sollte einst die größte und prächtigste Stadt des Mongolenreiches werden. Die Geschichte hatte andere Pläne, aber das Mausoleum von Oljaytu, eines der ersten Zeugnisse persisch islamischer Architektur, steht noch und antizipiert den Baustil, der im Taj Mahal seine Vollendung fand. Auf das Weltkulturerbe Soltanije folgt Zandschan 3, wozu wir Ihnen jetzt schon den Tipp geben, auf Ihren Geldbeutel zu achten. Nicht vermuteter Gauner wegen – bewahre – aber der historisch nach Zünften gegliederte Basar gehört zu den vielfältigsten des Landes, und in seinen wundervollen Gassen fällt es nur allzu leicht, schwach zu werden. Das geht Ihnen heute bestimmt noch einmal so, im Zanjan Grand Hotel bei persischen Spezialitäten.
Säcke voller Gewürze und Blüten (© Maja Lamme / Chamäleon)
Feuertempel heißen die Orte der Verehrung, in deren Innerem eine heilige Flamme der Reinigung brennt. Tacht-e Soleiman 4 oder »Thron des Salomon« war solch ein Feuerheiligtum, wo sassanidische Großkönige an religiösen Zeremonien teilnahmen, bis die Anlage in den 620er Jahren zerstört wurde. Seit zehn Jahren ist sie UNESCO-Weltkulturerbe, und ganz bestimmt nicht wegen ihrer zauberhaften Lage an einem tiefblauen Quellsee. Aber die Geschichte geht weiter. Auf den Thron des Salomon folgt das Gefängnis des Salomon, der Bergkegel Zendan-e Soleiman. Weithin sichtbar beansprucht er mit 110 Metern in der ansonsten platten Landschaft die ganze Aufmerksamkeit für sich. Ob Salomon tatsächlich in seinem Felsenkrater gefangen war, werden wir heute nicht mehr ergründen. Gesichert ist aber ein wundervoller Blick weit über das Plateau bis zu den schneebedeckten Gipfeln des Tacht-e-Soleiman-Massivs.
Panorama - Teheran bei Nacht (© FVA Iran / Chamäleon)
Kermanschah war die Sommerresidenz der Könige des Sassanidenreiches von 226 bis 650. Die Steinreliefs Taq-e-Bostan trotzen seither Wind und Regen und zählen zu den feinsten und besterhaltensten Zeugen persischer Kultur. Weltkulturerbe-verdächtig ist das alles, aber die Felsenreliefs von Bisotun 5 am »Ort der Götter« sind es wirklich. Das sollte an Stein gewordener Kultur vorerst reichen, denn wir müssen noch etwas für die Schreibkunst tun. Baba Taher gehörte zu den ersten Dichtern persischer Literatur mit Weltgeltung. Vierzeiler hatten es ihm angetan, 1.000 Jahre danach mit einer bestürzenden Aktualität: »Ob in einer Moschee oder der Kirche dort, wo immer Du bist, ist Dein Haus meines Herzens Ort. Dich will ich, Dich such’ ich, und ich frage nicht: Ist hier die Moschee oder die Kirche dort?« Sein gut dimensioniertes Grabmahl steht im 5.000 Jahre alten Hamadan, wo sich zu dem bekannten Zeitpunkt die Heiligen Drei Könige aufgemacht haben, um in Bethlehem den neugeborenen König der Juden zu begrüßen. Wir aber bleiben und logieren nicht zufällig im Baba Taher Hotel.
Der Fin-Garten in Kashan (© FVA Iran / Chamäleon)
Das soll es in Hamadan 6 noch nicht gewesen sein, wenngleich viele Zeugnisse der medischen und achämenidischen Kultur, die jahrhundertelang im Staub der Zeit konserviert waren, ihre letzte ehrenvolle Ruhe im Iranischen Nationalmuseum gefunden haben. Den Keilschrifttafeln im Fels von Gandjnameh ist dieses Schicksal erspart geblieben, hätte doch das ganze Alvand-Massiv umziehen müssen. So aber berichten sie seit über 2.000 Jahren von Gott, Göttern und wer zu welcher Zeit König der Könige war oder einen Mordanschlag auf den König vereitelt hat. So geschehen durch den biblischen Mordechai, dessen gemeinsames Mausoleum mit Esther – die aus dem Alten Testament – zur bedeutendsten jüdischen Pilgerstätte im Iran wurde. Einer, dessen Genie Persien zur Keimzelle der modernen Medizin gemacht hat, kennt spätestens seit dem »Medicus« jedes Kind: Abu Ali Ibn Sina, einzigartiger Arzt, Philosoph und Mathematiker. Seine sterbliche Hülle ruht im ewigen Avicenna-Mausoleum. Weltbewegende Geschichte und Geschichten, alles an einem Tag.
Kamelreiten bei Matinabad (© Maja Lamme / Chamäleon)
Leider vorbei die Zeiten, als reiche Bräutigame ihren Angebeteten zur Hochzeit ein Häuschen bauen ließen, das man nach heutigen Maßstäben einen Palast nennen würde. Aber sie stehen noch, und zeugen neben ihrer unvorstellbaren Pracht vom Streben der Baumeister, die Ästhetik der Perfektion auf immer neue Höhen zu treiben. Wir sind in Kashan 7, wo Milch und Honig fließen. Hier in Form von Granatäpfeln und Rosenwasser aus sagenhaft prunkvollen Gärten, die den Vorstellungen vom Islamischen Paradies nachempfunden sind. Der schönste von Ihnen im nahe gelegenen Dorf Fin galt dem Lustwandel des Safawidenkönigs Abbas I. und wurde, wenn schon nicht Paradies, so doch Weltkulturerbe. Danach wollen Sie nur noch eines: Am Rande der Wüste Dasht-e Kavir den Sternenhimmel von der Dachterrasse des Matinabad Desert Eco-Camp bewundern. Vor sich eine Karaffe Rosenwasser, was sonst?
Imam-Moschee in Isfahan.jpg (© FVA Iran / Chamäleon)
Die grandiose Landschaft um Matinabad 8 verleitet zum Laufen. Oder Sie nehmen das Kamel. Und weil Sie ganz sicher ein Interesse daran haben, dass die Faszination der windgeblasenen Sanddünen noch lange erhalten bleibt, pflanzen wir ein Bäumchen, das einmal seinen Teil dazu beitragen wird, die Erosion zu verhindern. Zur Belohnung gibt’s eine kleine Rundreise zu den Preziosen iranischer Kultur. In der Wüstenstadt Natanz die Freitagsmoschee und das Archäologische Museum. Als Kontrastprogramm die malerischen Gassen des roten Bergdorfs Abyaneh mit zoroastrischem Feuertempel, Moscheen und Forts seiner fast 1.000-jährigen Geschichte. Und zurück in Matinabad, das offene Haus einer iranischen Gastfamilie für einen streng vertraulichen Blick in die großen Kochtöpfe. Lecker.
Gewürzhändler auf dem Basar in Isfahan (© FVA Iran / Chamäleon)
Eine Woche und wir haben schon Wunderwelten für Wochen gesehen. Aber das Beste kommt heute. 1.001 Nacht am Tag. Die über jeden Superlativ erhabene schönste Stadt Persiens: Isfahan 9 10, Herzkammer der Teppichkunst, der Stoffdrucke und Miniaturmalerei. Strahlender Leitstern für atemberaubende Bauwerke und herzerwärmende Gärten. Die 33-Bogen-Brücke und die Khaju-Brücke, die künstlerische Glanzleistung der armenisch-apostolischen Vank-Kathedrale, die 40 Säulen des Chehel-Sotoon-Palastes, das Weltkulturerbe Imam-Platz als »Abbild der Welt«, die Königsmoschee mit der himmelblauen Zwiebelkuppel, den 50 Meter hohen Minaretten und dem überwältigenden Eingangsportal des Kalligrafen Ali Reza. Damit Sie vorbereitet sind: Allein für die Moschee wurden 18 Millionen Steine und über 470.000 Kacheln verbaut. So weit die Pflicht, danach die Kür. Der Platz des Imam, mit fast neun Hektar der zweitgrößte der Welt, verwandelt sich am Abend zu einem Treffen der Generationen und Kulturen. Eine romantische Atmosphäre legt sich über das Areal und verzaubert Mensch und Stunde.
Die Jame-Moschee in Jazd (© Maja Lamme / Chamäleon)
Heiß, staubig, öd und leer, so stellt man sich eine Wüstenstadt vor. Vergessen Sie’s. Sie werden in Yazd 11 einen Reichtum finden, der Ihre Augen übergehen lässt. Und Geschichten, die an den Nerven zerren, aber keine Märchen sind: das zarathustrische Erbe der sagenumwobenen Schweigetürme, in denen die Priester ihre Toten ablegten, damit sie von Geiern und Krähen gefressen werden. Der Innenhof im Moshir-al-Mamalek Hotel ist ein Ort der Ruhe, durch den ein blaues Wasserband plätschert. Er bringt Sie auf andere Gedanken, und spätestens in der abendlichen Teestube sind die Geier vergessen.
Shah-Cheragh-Moschee und Mausoleum in Schiras (© Maja Lamme / Chamäleon)
Yazd 12 von seiner besten Seite, das ist heute dran. Der zarathustrische Feuertempel, dessen Flamme die Anwesenheit Gottes symbolisiert und bereits 500 nach Christus gebrannt haben soll. Jame, der himmelblaue Traum einer Moschee, das Wassermuseum, sinnend durch die einsamen Gassen der Wüstenstadt und als Anregung für daheim ein Besuch im Zurkhaneh. In der vorislamischen Zeit ein Ort der körperlichen und geistigen Ertüchtigung, hat sich das »Haus der Stärke« zu einer Arena für Kraftsportarten entwickelt, deren ethische Grundlagen der Reinheit des Herzens dienen.
Der Vakil-Basar von Shiraz (© Maja Lamme / Chamäleon)
Schade eigentlich. Von der ersten persischen Residenzstadt Pasargadae im Zagros-Gebirge blieb nur das monumentale Grabmal Kyros II. übrig. Weltkulturerbe zwar, aber das hilft dem ehemals blühenden Festgarten, in dem jetzt das Kenotaph des Königs steht, nur noch wenig. Ganz anders Persepolis 13, der Höhepunkt unter den Weltkulturerbe-Stätten. 520 vor Christus gegründet und 330 danach von Alexander dem Großen zerstört. Die Ära dazwischen scheint einzig das Ziel gehabt zu haben, der Nachwelt zu zeigen, was große Kunst ist: die Apadana-Halle, das Tor der Nationen, das Stierkapitell mit Menschenkopf, das Relief der Priester, die Inschriften. Umwerfend zwar, aber heben Sie sich ein paar Ahhs und Ohhs auf, denn Schiras kommt ja auch noch. Stadt der Rosen, der Nachtigallen und Dichter. Wiege der persischen Zivilisation und hochgeehrt als »Garten des Iran«. Am Korantor, wo die Einheimischen den Tag ausklingen lassen und unter dem mittleren Bogen die Reisenden den Segen erhalten, werden wir ihn betreten.
Der Darius-Palast in Persepolis (© FVA Iran / Chamäleon)
Ein Hauch zauberhafter Romantik ist immer dabei, wenn sich in Schiras 14 Vergangenheit und Gegenwart begegnen. Man muss sich schon sehr beherrschen, um nicht an jeder Ecke von einem Wunder zu reden, aber die Nasir-ol-Molk-Moschee und ihr »Garten der Orangenbäume« gehören ganz sicher dazu. Ist ja auch Weltkulturerbe. Warum es der Vakil-Basar im historischen Zentrum noch nicht auf die begehrte Liste geschafft hat, wird ein Geheimnis bleiben, aber Bewunderung ist ihm sicher. Treten Sie mit Ehrfurcht durch das gigantische Portal, und es öffnet sich ein fast kilometerlanger Marktplatz des Unvorstellbaren. Karawansereien, Badehäuser und Innenhöfe eingeschlossen. Baubeginn im 10. Jahrhundert. Ein Meisterwerk persischer Architektur. Aber was reden wir? Sehen Sie selbst. Vielmehr lassen Sie sich treiben durch ein Märchenland von Tinnef und Tand, von Kunst und Kostbarkeiten. Wenn am frühen Morgen Ihr Flieger nach Hause 15 startet, wird jedes einzelne Teil Ihre Erinnerungen an eine beispiellos reiche Zeit wachhalten.
Isfahan - 15 Tage Wunderwelten-Reise
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