So kann es gehen. Schon 4500 v. Chr. besiedelt, war Jaffa ein Kultort für die Gottheit Derketo mit dem Oberkörper einer Jungfrau und dem Unterleib eines Fisches. Petrus war da, der Gerber Simon aus der Apostelgeschichte, die Phönizier haben hier das Holz für die Jerusalemer Tempel importiert, Konstantin der Große hat Jaffa zum Bischofssitz gemacht, Richard Löwenherz hat es kurzerhand kassiert. Geschichte und Geschichten von überwältigender Bedeutung, und dann kommt der neu gegründete Vorort Tel Aviv 1 und das antike Jaffa verschwindet in der Versenkung. 1950 werden beide zu Tel Aviv-Jaffa fusioniert, wobei vom hinteren Teil vor allem die Orangen im Bewusstsein geblieben sind. Mit Ihrer Landung am späten Nachmittag wecken wir die Erinnerungen wieder auf.
Kirche aller Nationen in Jerusalem (© Karin Schenk / Chamäleon)
Wo der Zahn vieler Jahrhunderte andere Weltkulturerbe-Stätten mit einer Patina des Vergänglichen überzieht, präsentiert sich die »Weiße Stadt« in Tel Aviv als sei sie erst gestern gebaut worden. Ist dennoch knapp hundert Jahre her, als die aus Nazi-Deutschland geflüchteten Juden die Bauhaus-Architektur nach Israel brachten. Gropius, Mies van der Rohe, Wright, Le Corbusier – hier wird die Handschrift einer umwälzenden Epoche hoch gehalten. Kontrastprogramm in Jaffa, der Siedlung auf dem Andromedafelsen: Die Immanuelkirche der Norwegischen Israelsmission, die römisch-katholische Peterskirche, der Al-Saraya-al-Atika-Palast, der Uhrenturm – alles liegt so friedlich da und steht doch im Spannungsfeld der politischen und religiösen Gegensätze. Wie lebt es sich in dieser von Männern aufgeheizten Welt? Auf dem Weg nach Haifa 2 treffen wir uns in der arabischen Stadt Kafr-Qara mit Amana. Sie erzählt von eigenem Glück und Leid, und was sonst noch passiert, erfahren wir morgen. Für heute begnügen wir uns mit der süßen Seite des Lebens im Wandelgarten des Bay Club Hotel.
Nazareth mit der Verkündigungsbasilika (© Dafna Tal, FVA Israel / Chamäleon)
»Liebe alle, hasse keinen«. Der Gegenentwurf zur ewigen Diskussion, was wem gehört, ist das Leitbild der Ahmedim. Wir sind in die Moschee der muslimischen Glaubensgemeinschaft eingeladen, um zu erfahren, wie das Zusammenleben unterschiedlicher Religionen gelingen kann. Die Bahai haben diese Frage auf ihre Weise beantwortet: mit den Persischen Gärten als Friedenssymbol für die Einheit der Menschen. Inklusive Schrein des Religionsstifters Bab in der Mitte und dem Status Weltkulturerbe als Bestätigung. Unten, wo das Mittelmeer das »Blue Monochrome« von Yves Klein nachzeichnet, liegt am Ende der Bucht von Haifa ein Stück Altertum. Ob es dieses Blau oder die wirtschaftliche Blüte von Akkon 3 war, die Napoleon zu dem Ausruf »Wer Akkon erobert, erobert die Welt« veranlasste, ist nicht überliefert. Trotzdem ging die Aktion in die Hose, was uns eine schöne Zeit in dem unversehrten Labyrinth der Altstadt-Gassen beschert. In der nächsten Altstadt, zu denen immer auch die kleinen Basare und Handwerker-Souks gehören, hat rund 2.000 Jahre vor Ihnen Jesus von Nazareth seine Sandalen nähen lassen. Hier begann die Geschichte des Christentums, in jener Verkündigungsbasilika, wo der Erzengel Gabriel der heiligen Jungfrau Maria die frohe Botschaft von der unbefleckten Empfängnis verkündete. Joseph, so hieß es, sei darüber nicht so froh gewesen.
Eine junge Familie (© Noam Chen, FVA Israel / Chamäleon)
Man kennt sie alle, die Namen und Orte des Neues Testaments. Doch heute bekommen sie reale Gestalt, werden die Stätten und Ereignisse der Bibel greifbar: Am See Genezareth 4, dem Lieblingsort Jesu, wo viele Geschichten der Evangelien angesiedelt sind. Am Berg der Seligpreisungen, wo Jesus seine Jünger benannte. Und Tabgha, wo die wundersame Brotvermehrung stattfand, von der Matthäus berichtet hat. Der Lieblingsort Ihres Reiseleiters ist ein authentisch israelisches Restaurant und auch hier ist genug für alle da.
Baden im Toten Meer (© Itamar Grinberg, FVA Israel / Chamäleon)
Das gefiel dem Vatikan ganz und gar nicht, aber die Veröffentlichung der Schriftrollen vom Toten Meer 5 konnte er trotzdem nicht verhindern. 15.000 Fragmente aus rund 850 Rollen des antiken Judentums. Sie wurden in elf Felshöhlen entdeckt, darunter die bislang ältesten Bibelhandschriften, die das christliche Jesusbild in der sogenannten »Rewritten Bible« in einem anderen Licht erscheinen lassen. Unterirdisch, würde man heute sagen, aber wir meinen damit die berühmten 428 Meter unter dem Meeresspiegel. Keine Stelle der Erde liegt tiefer. Und nirgendwo liegt es sich entspannter auf dem Wasser als in den salzigen Fluten des Toten Meeres. Fortsetzung im Tal der Judäischen Wüste auf den weichen Matratzen des Beduinencamps Kfar Hanokdim. Gleich, nachdem das Beduinenmahl serviert und die Kamele Sie von einem schaukelnden Ritt in den Sonnenuntergang zurückgebracht haben.
 (© Alexandra Jabs / Chamäleon)
Die Ziele sind gleich, die Wege dorthin haben sich gewandelt, und es sieht danach aus, als ob Ben Gurions Traum, die Wüste zum Blühen zu bringen, Wirklichkeit werden könnte. Im Projekt Wadi Attir entwickelt eine Beduinengemeinschaft die Grundlagen für eine nachhaltige Farm in der Wüstenlandschaft der Negev. Wenn es klappt, soll daraus eine Referenz zur Bewirtschaftung von Trockengebieten auf der ganzen Welt werden. Wir drücken die Daumen. Nicht weit entfernt, hatten die Nabatäer im 4. Jahrhundert v. Chr. eine Handelsstation der Weihrauchstraße eingerichtet. Advat, Awdat, Abdah, Ovdat oder Obodat, wie die Stadt je nach ihren temporären Herrschern genannt wurde, ist heute Weltkulturerbe und verzaubert in seinen Schluchten – ein Wunder? – mit Palmen und blaugrünem Wasser.
 (© Alexandra Jabs / Chamäleon)
Wie bei den Felszeichnungen im südlichen Afrika, hat auch der Berg Avnun für die Botschaften der Beduinen herhalten müssen. Felsbook sozusagen, und ihren Sinn zu entschlüsseln, sollte uns ein Versuch wert sein. Dann verabschieden wir uns am größten Erosionskrater aus der Wüste Negev 6 7 mit einem spektakulären Rundumblick über Vulkankegel, Magmaspalten, versteinerte Bäume, Korallenriffe und Fossilien aus den Millionen Jahren des Großen Afrikanischen Grabenbruchs.
 (© Alexandra Jabs / Chamäleon)
Ob hebräisch Efrata oder arabisch Beit Lechem, in den Evangelien von Matthäus, Lukas und Johannes herrscht zumindest Einigkeit, dass Bethlehem 8 der Geburtsort von Jesus Christus war. Wo genau, da gehen die Überlieferungen wieder auseinander. In einer Höhle, berichten die einen. In einem Stall, sagt die Bibel. In einer Grotte der Geburtskirche, das ist heute der gemeinsame Nenner. Wie auch immer, durch das nur 1,20 Meter hohe »Tor der Demut« betreten wir den alles überstrahlenden Altar über dem Stern von Bethlehem. Das Bildungszentrum Talitha Kumi ist mit 150 Jahren vergleichsweise jung. Aber hat sich unter Leitung der Berliner Missionswerke eine große Aufgabe auf die Fahne geschrieben: die Erziehung und Bildung palästinensischer Mädchen und Jungen aus prekären Verhältnissen. Viel erlebt, und je größer die widerstrebenden Eindrücke, desto drängender die Frage, wie das Volk mit den Spannungen und der historischen Last umgeht. Fragen Sie es doch selbst. Beim Abendessen in einer palästinensischen Familie.
In der Grabeskirche in Jerusalem (© Noam Chen, FVA Israel / Chamäleon)
Auch die andere Seite muss gehört werden, also stellen wir die gleichen oder ähnliche Fragen den Einheimischen einer israelischen Siedlung. Alle Gedanken des Pro und Contra vereinen sich an jenem Ort zu einem tragenden Gefühl, wo Jesus auferstanden und gen Himmel gefahren ist. Der Blick vom Ölberg auf Jerusalem 9 ist der magischste Moment dieser Reise. Dann über den Palmsonntagsweg zur Kirche aller Nationen im Garten Gethsemane, durch das Löwentor in die Altstadt und über die Stationen des Leidensweges Via Dolorosa zur Grabeskirche. Was machen diese heiligen Stätten mit Ihnen? Noch Platz für ein Finale? So folgen Sie uns zum Tempelberg, aus dessen Erde Gott einst Adam schuf. Und durch den arabischen Basar ins jüdische Viertel zur Westmauer des ehemaligen zweiten Jerusalemer Tempels. Vielleicht ist Ihnen nach einem Dank für die Erkenntnisse dieser Reise, vielleicht nach einem Wunsch an höhere Mächte. Dann schreiben Sie was Sie bewegt auf ein Kvittelchen und stecken es in die Ritzen der Klagemauer, wo es einzig Ihrem Gott zu lesen erlaubt ist.
 (© Stephan Auner / Chamäleon)
Es wird so sein, dass Sie das Gelobte Land als ein anderer verlassen als Sie gekommen sind. Im christlichen Sinne »geladen bis an sein höchsten Bord«. Eine Last, die leicht zu tragen ist und Sie zu Hause 10 in der Gewissheit wiegt, dass die Bibel doch recht hat.
Negev - 10 Tage Wunderwelten-Reise
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