O Mann, es geht nach Oman. Die Sonne strahlt mit dem Gold um die Wette. Luxus und reiches Leben, mondän bei Tag – romantisch bei Nacht. Ein wahr gewordenes Märchen, eine auf Hochglanz polierte Schatzkammer arabischer Kultur. Megatower und Moschee. Kamel und Rolls-Royce. Weihrauchmarkt und Goldsouk. Von manchen Dingen muss man sich mit Gewalt losreißen, und sattsehen ist sowieso nicht möglich. Aber irgendwo muss man anfangen, und das tun wir nach unserem Flug von Frankfurt 1 in der noblen Metropole des Sultanats, in Maskat 2. Sie haben Wüste erwartet? Dann lassen Sie sich jetzt mal überraschen.
Wahrzeichen von Maskat (© Andrea Werne / Chamäleon)
Die Moschee, die den Namen von Sultan Qaboos trägt, gehört zu den wertvollsten der Welt. 600 Knüpferinnen haben für den 22 Tonnen schweren Gebetsteppich 1,7 Milliarden Knoten geschlungen. In der 50 Meter hohen Kuppel hängt der mit 1.122 Lampen bestückte Lüster, acht Tonnen voller Swarovski-Kristalle. Doch der Sultan ist ein spendabler Mann und ließ zur Erbauung der Volksseele den Qurum-Park bauen. Mit See, Booten, Fontänen, Rosengarten und schattigen Spazierwegen. Dem Öl sei Dank, ist das Erste, was dem Betrachter in den Sinn kommt, und wie es dazu kam, erzählt uns das PDO-Museum zur Geschichte der Ölförderung. Im abendlichen Souk hingegen wird die Vergangenheit zur Gegenwart. Weihrauch, Myrrhe, Goldschmuck, Silbertand, Krummdolche, Kaschmirschals und Henna sind allesamt Markenzeichen aus Aladins Reich. Und egal ob Sie auf Süßes stehen oder nicht, Halwa gehört unbedingt dazu. Wehe, Sie spucken es wieder aus.
Sultan-Qaboos-Moschee in Maskat (© Chamäleon)
Wer bei Oman an Wüste denkt, hat Recht und auch nicht. Vordergründig, also vom Golf aus betrachtet, sieht es mehr nach Alpen aus. Doch gleich dahinter kommt sie dann doch noch, die Wüste. In dieser Reihenfolge beginnen wir unseren fünftägigen Geländewagen-Trip durch eine umwerfende Landschaft. Der schön an einer Bucht gelegene Strand von Fins ist die letzte Gelegenheit für eine erfrischende Begegnung mit dem Indischen Ozean, dann wird es sehr omanisch. Das petrolfarbene Meer schwappt seelenruhig in den rostroten Naturhafen von Sur. Die himmlische Ruhe erzählt Geschichten von gestern, als Sur eine bedeutende Seehandelsmetropole war. Geblieben ist die Herstellung von Dhaus, kleinen Booten in traditioneller Handwerkerkunst, ohne die das Leben in Oman unvorstellbar wäre. Dann der Nachmittag: 15.000 Quadratkilometer feinster Sand in leuchtendem Orange, bewachsen, versteinert, wandernd: die wüste Wüste Wahiba 3. Wir lassen uns nicht bangemachen, sondern arbeiten uns mit dem Geländewagen entlang der mächtigen Sandberge, wie es seit eh und je die Beduinen auf ihren Wüstenschiffen tun. In einem flachen Tal steht unser Sama Al-Wasil Camp. 20 Chalets im Kreis, für Beduinenverhältnisse der schiere Luxus mit weichen Betten und Badezimmer. Wir wünschen eine stille Nacht.
Wadi Bani Khalid (© Maja Lamme / Chamäleon)
Wie lebt es sich als Beduinenfamilie, wenn man nicht gerade durch die Wüste schaukelt? Kaum, dass in der roten Wüste Wahiba 4 die Sonne aufgegangen ist, werden Sie es aus erstem Mund einer Beduinenfamilie erfahren. Und bevor das Tal zur Bratröhre wird, sind wir schon an den glasklaren Wasserbecken des wundervollen Wadi Bani Khalid. Die Palmen wedeln zur Begrüßung und bieten erholsame Schattenplätzchen an, denn Wandern ist ein Vergnügen, das dem Abend vorbehalten bleibt. Und man muss es auch dann nicht übertreiben. Rauf auf die Düne für einen beifallswürdigen Sonnenabgang und dann am Lagerfeuer den aufsteigenden Funken nachsehen, bis sie zu Sternen werden.
Beduine mit Kamelen (© Maja Lamme / Chamäleon)
Frauenmarkt klingt etwas anzüglich, aber hier in Ibra 5 geht’s ums Vergnügen der Frauen, das Shoppen. Die Männer müssen nämlich am Rande warten, während ausschließlich Frauen sich mit feinen Tüchern und Parfüms eindecken dürfen. In den Bienenkorbgräbern der Umm-Al-Nar-Kultur durften alle gemeinsam liegen. Seit 4.000 Jahren stehen sie im wahrsten Sinne des Wortes unverwüstlich im Oasenort Zukait vor der bombastischen Kulisse des Jebel Misht.
Die Festung von Nizwa (© Chamäleon)
Nächster Halt: die berühmte Oase Nizwa 6, ehemalige Hauptstadt und religiöses Zentrum. Einmal den Silbersouk rauf, einmal runter, den 36 Meter dicken Festungsturm umrunden und durch die Altstadt den Düften nach, dann haben Sie sich ein Dampfbad im Falaj Daris Hotel verdient. Was auf Madeira die Levadas, ist in Oman das Faladschsystem. Bedeutend genug, um es zum UNESCO-Weltkulturerbe zu zählen. Künstliche Bewässerungskanäle, die das lebensnotwendige Nass seit 1.500 Jahren von weit her zu den lehmroten Häusern der Dörfer leiten, deren Bewohner uns bereitwillig die Türen öffnen.
Bienenkorbgräber (© Chamäleon)
Die kobaltblaue Kuppel der Sultan-Qaboos-Moschee mit der goldenen Spitze ihres Minaretts leuchtet uns noch eine Weile hinterher, dann verliert sich die Silhouette von Nizwa in der Ferne und eine neue taucht auf: der See der Bananen. Ist nicht ganz wörtlich zu nehmen, aber abgöttisch reizvoll ist die Oase Birkat Al-Mauz 7 schon, und die Bananen sind halt ihre direkte Übersetzung. Wo hab ich meine Machete?, ist der erste Gedanke, der einem beim Anblick dieses Palmenwaldes in den Sinn kommt. Aber dann führen doch noch zauberhafte Pfade ins Innere der filmreifen Siedlung. Danach schließt sich der Kreis und wir erreichen wieder die Hauptstadt Maskat für neue Abenteuer.
Portrait einer Frau in Dhofar (© Chamäleon)
Wüste, Berge, Tropen? In Oman ist alles möglich. Wir nehmen den Flieger nach Salalah 8, ins berühmte Weihrauchland des Südens. Wenn hier Sultan Qaboos seine Sommerresidenz hat, erübrigt sich eigentlich jedes Wort. Ein Paradies, mit den Ruinen von Al-Baleed als Weltkulturerbe, einem tiefen kulturellen Rückblick im Archäologischen Park, typischen Dhofar-Häusern im Stadtteil Al-Hafa und schließlich dem alten Weihrauchsouk, wo von edlen Duftharzen, kunstvollen Weihrauchbrennern bis zu einheimischer Kosmetik alles ausliegt, was irgendwie an Weihnachten erinnert. Die rot leuchtenden Dünen der Rub Al-Khali 9 bedeuten Stopp. Weil es keinen schöneren Augenblick der Stille und Zeitlosigkeit gibt, als in der größten Sandwüste der Erde einen Moment innezuhalten und die wandernden Farben der Nachmittagssonne vorbeiziehen zu sehen. Es sei denn, es handelt sich um das Weihrauch-Wadi Dawkah, wo die Ernte des kostbaren Harzes ein wohlgehütetes Geheimnis ist, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. Nun also doch noch: Fröhliche Weihnachten.
Ruinen von Sumhuram (© Chamäleon)
Die Weltkulturerben reißen nicht ab. Das Fischerdorf und die Festung Taqah gehören noch nicht dazu, müssen aber sein. Auch das Wadi Darbat nicht, obwohl es zu den schönsten gehört. Also der Reihe nach: Zuerst die Ruinen von Sumhuram 10, der Legende nach der Palast der Königin von Saba und demzufolge mindestens 2.000 Jahre alt. Dann ins schöne Wadi und zu den Fischern von Taqah. Im Crowne Plaza Resort in Salalah empfiehlt sich ein ausgiebiger Durchhänger im Pool, dann üben die Blowholes bereits für Ihr Abschiedskonzert. Am Strand von Mughsayl 11 sitzen Sie in der ersten Reihe, wenn die Wasserfontänen gut und gerne zehn Meter aus den Blaslöchern des Felsplateaus schießen. Hinter dem Wassernebel gibt das Arabische Meer sein schönstes Blau dazu.
Männer unter sich (© Andrea Werner / Chamäleon)
Dann wartet am Flughafen Salalah 12 die Maschine nach Maskat für Ihren unerbittlichen Rückflug nach Frankfurt 13. Bestimmt ist auch ein bisschen Sand dabei, aber der macht Oman nicht ärmer, nur Ihre Erinnerungen reicher.
Wahiba - 13 Tage Wunderwelten-Reise
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