Ihren Start in Frankfurt mit Tag 1 zu kennzeichnen, ist genau genommen nur die halbe Wahrheit, denn die andere Hälfte entfällt auf die Nacht, in der Sie Ihrem Abenteuer fliegend entgegenträumen oder sich an unaussprechliche Namen wie Senkadagalapura, Sri Wardhanapura und Maha Nuwara herantasten können. Am Ziel werden Sie dann feststellen, dass Sie etwas viel des Guten getan haben, denn alle drei Begriffe bedeuten dasselbe, nämlich das Weltkulturerbe, zu dem selbst die Einheimischen nur Kandy 2 3 sagen. Prunk und Herrlichkeit strahlt die alte Hauptstadt des letzten singhalesischen Königs aus und das liegt nicht nur am goldenen Dach des Zahntempels, wo der sorgsam gehütete linke obere Eckzahn Buddhas die Pilger in Verzückung versetzt. Aber wo immer die Herrscher von damals versucht haben, ihren Reichtum zur Schau zu stellen, hat die Natur noch eins draufgesetzt. Der Botanische Garten von Peradeniya wurde zum schönsten in ganz Asien. Platz zwei für den Kandy-See. Einmal fahren wir Sie rundherum, inklusive Edelsteinmuseum und Basar. Dann gehört der magische Ort Ihnen allein.
Felsenfestung von Sigiriya (© Udaya Wijesoma / Chamäleon)

Sie können gern eine Strichliste der Weltkulturerben führen, die Ihnen auf dieser Reise begegnen, andererseits können Sie uns auch glauben, dass mehr in Ihre zwei Wochen nicht reingepasst hätten. Also: Kulturerbe Dambulla, die 80 Tempelhöhlen tief unter der Erde mit ihren 153, teilweise lebensgroßen, Darstellungen aus dem Leben Buddhas. Und gleich danach das nächste unübersehbare Lieblingsobjekt der UNESCO, denn es ragt 200 Meter senkrecht aus dem Wald. Müssen wir da rauf? Müssen wir, aber der Aufstieg mit Lustgärten, Wolkenmädchen und der bedeutsamen Spiegelwand machen unsere »Eroberung« der Felsenfestung von Sigiriya 4 zu einem sinnlichen Spektakel.

 

Wenn in Dambulla eine Höhle als Pilgerziel herhalten muss, warum nicht auch ein entlegenes Plätzchen im Dschungel? Selbst auf die Gefahr hin, dass ein mürrischer Elefant vorbeischaut, der bestimmt keine Kerze anzünden will, haben die Verehrer der Prinzessin Somawahti eine schneeweiße Stupa errichtet. Fantastische Geschichten machen die Runde. So sollen sich nach der Wiederentdeckung des Heiligtums Mönche aus Kandy aufgemacht haben, um einen zweiten Zahn Buddhas zu finden, der den Anlass zum Bau der Stupa gegeben haben soll. Doch ihr muslimischer Führer erblindete unterwegs und starb an den Folgen eines Sturzes. Kein zweiter Zahn also, doch gehen von der Stupa mysteriöse Lichtzeichen aus. Es muss also was dran sein. Die Elefanten im Minneriya-Nationalpark 5 sind dagegen zum Greifen real. In Gesellschaft von Lippenbären, Leoparden und Wasserbüffeln bevölkern sie das Schutzgebiet und demonstrieren eindrucksvoll, woher sie ihren wissenschaftlichen Namen haben: Elephas maximus maximus. Fallhöhe bis 3,50 Meter.

Fast schon zu schön um wahr zu sein (© Marie Grape / Chamäleon)
Wir haben versucht, die UNESCO zu überreden, aber die braucht noch Zeit. Bis es so weit ist, erklären wir das Amethyst Resort Passikudah zum zukünftigen Kulturerbe der badenden Menschheit. Es kommt heute an zweiter Stelle, weil wir Sie umgekehrt nicht mehr von dort wegbekommen hätten. Also zuerst Polonnaruwa 6, die alte Königsstadt und – wer hätte das gedacht? – Weltkulturerbe. Die Könige sind abgetreten, aber die Ruinen ihres Palastes und die vier aus dem Fels geschlagenen monumentalen Buddha-Figuren im archäologischen Park von Polonnaruwa zeugen immer noch vom Goldenen Zeitalter Sri Lankas. Jetzt aber – siehe oben – kommt in Passikudah 7 der seelenpflegende und Glückshormone streuende Ort am Indischen Ozean, der erst mal sprachlos macht, bevor Sie auf die Suche nach Ihrem Lieblingsplatz gehen. Es ist wie erwähnt höchst fraglich, ob wir Sie da wieder wegbekommen, aber versuchen können wir es. In Batticaloa werden immer Erntehelfer gebraucht, und selbst, wenn Sie nur zwei linke Hände aufbieten können, sind Sie hernach zum Mittagessen eingeladen. Hausmannskost auf Sri-Lankisch, Kochtipps inklusive. Der Rest des Nachmittags: wie vermutet.
Altmeister (© Antoine Weis / Chamäleon)
Mit Rücksicht auf mögliche Entzugserscheinungen bleiben wir noch einen Tag im visuellen Kraftfeld der Palmenküste mit ihren traumhaften Farbverläufen. Es geht nach Süden, was als Wegbeschreibung so unsinnig ist, als würde man im Italienurlaub sagen, man ginge abends zum Italiener. Wir fahren auf der Landkarte also nach unten. Es geht ins älteste Naturschutzgebiet, den Kumana-Nationalpark 8. Elefanten gehören in Sri Lanka ja immer zur Grundausstattung, aber hier kommen noch Leoparden, Goldschakale, Lippenbären, Halsstreifenmangusten, Samba- und Axishirsche, der Ceylon-Hutaffe und der Schlanklori dazu. An den Lagunen die Unsympathen: Tigerpython, Bengalenwaran und das Sumpfkrokodil. Dafür sprenkeln Malabarhornvogel, Blauer Pfau, Buntstorch und der Rotgesicht-Malkoha Bäume und Lüfte mit bunten Tupfern. Passend dazu haben wir das Blue Wave Hotel ausgesucht, wo Sie den Tupfer am Pool machen können.
Bei der Arbeit (© Udaya Wijesoma / Chamäleon)

Das war’s dann vorerst mit Küste, denn Fahrradfahren im Sand ist kein erbauliches Vergnügen. Das macht entschieden mehr Spaß, wenn man zwischen den Reisfeldern von Wellawaya 9 von Dorf zu Dorf radelnd die Zeit vertrödeln und mit den Einheimischen am Straßenrand sitzen kann. Andererseits wird das Jetwing Kaduruketha Resort in den sozialen Medien als bestes Hotel in Sri Lanka gefeiert, dem wir schon aus Prinzip widersprechen müssen, denn allein für diese Reise haben wir bereits neun beste gebucht. Jedenfalls ist das Resort eigentlich gar keines, sondern als ökologisches Dorf im traditionellen Stil gebaut. Idyllisch eingebettet in die sattgrünen Hänge der Landschaft und wunderschön, um das zu tun, wonach Ihnen gerade ist.

Nun haben wir schon ein paarmal mit dem Zaunpfahl gewunken, da wird es auch Zeit, die Erwartungen zu erfüllen. Sie erinnern sich? Elephas maximus maximus. Heute in Reinform oder sollten wir besser sagen: in Topform? Für verwaiste Benjaminis, diese tollpatschigen hundert Kilo, ist das Elephant Transit Home in Udawalawe 10 eine Chance zum Überleben. Hier werden sie aufgepäppelt und Stück für Stück auf ihre Auswilderung in die Nationalparks vorbereitet. Wo sie danach ihre Freiheit genießen und nach Belieben Büsche und Bäume frühstücken können, liegt das Ziel unserer Jeep-Safari durch den Udawalawe-Nationalpark. Hören Sie es knacken? Da kommen sie schon.

Familie in Kataragama (© Gerrit Groenewold / Chamäleon)
Jetzt sind wir fast ganz »unten«. Kataragama 11 war in den letzten Jahrhunderten v. Chr. der Sitz vieler singhalesischer Könige. Eine der wenigen religiösen Städte in Sri Lanka, die von Buddhisten, Hindus, Muslimen und Vedda gleichsam verehrt wird, mit dem Katagarama-Tempel im Zentrum. Damals noch ein Dschungelschrein, galt der Weg dorthin als eine Prüfung, die auch mal in den Reißzähnen eines Leoparden enden konnte. Da hatte es Gott Skanda besser, der als Kriegsgott nach Kataragama kam, um den Riesen Taraka zu besiegen. Nach getaner Arbeit verliebte er sich in ein indigenes Vedda-Mädchen und zog mit ihr auf den Hügel Wedihiti Kanda. Die nächste Pilgerstätte war geboren und macht unseren Kulturtag vollständig.
Farben des Marktes (© Gerrit Groenewold / Chamäleon)
Da fällt uns gerade auf, dass wir die Weltkulturerben etwas vernachlässigt haben. Und so kommt hinter der südlichen Spitze, schon ein Stückchen wieder nach oben, die Stadt der kornblumenblauen Saphire. Galle 12, der einst portugiesische, dann niederländische und schließlich britische Seehafen, verbirgt hinter den meterdicken Mauern seiner Festung eine märchenhafte, multikulturelle Altstadt. Ein Spaziergang durch fast 400 Jahre abenteuerliche Geschichte, aus der jede der Kolonialmächte etwas zurückgelassen hat, gehört zweifellos zu den Momenten, für die sich zu leben lohnt. Wo man Papageifische und Sardinen gleich hinter der Festungsmauer aus dem Indischen Ozean zieht, ist Fisch die erste Bürgerpflicht. Und wenn man dem Gefuchtel und Gezeter der Markthändler glauben kann, würde eine Mund-zu-Mund-Beatmung reichen und er schwimmt wieder, so frisch ist er. Sagen wir so: Er wird köstlich schmecken.
Auf dem Markt (© Gerrit Groenewold / Chamäleon)
Es ist in Colombo 13 nicht anders als an, vielleicht sogar ganz besonders, jenen Orten der Insel, die nur (Ein)Geweihten vorbehalten waren. Manchmal werden Sie einfach nicht wissen, wohin Sie zuerst gucken sollen: der juwelenbesetzte Thron der Könige von Kandy, das imposante Gangaramaya-Kloster und zum guten Schluss noch eine turbulente Zeit im Pettah-Basar. Mehr Stadtteil als Markt, in dem die »Kulis« hoffnungslos überladene Karren durch die überfüllten Straßen jonglieren. Danach kommt kein Weltkulturerbe mehr und es geht zurück nach Frankfurt 14. Es sei denn, Sie erinnern sich an die Stunden, als die Farben Malachit, Lapislazuli und Schneewittchenweiß das Lied vom Glück gespielt haben. Dann bleiben Sie doch noch ein paar Tage zum Nachträumen an kilometerlangen Stränden, wo jemand tonnenweise Backpulver verschüttet haben muss und Millionen Glühwürmchen durch die Nacht morsen.
Sigiriya - 14 Tage Wunderwelten-Reise
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