Kürzer geht’s nicht. Am Nachmittag noch in Frankfurt 1 und mit der aufgehenden Sonne im Viertel der 36 Gassen zu brüllend heißer Nudelsuppe mit Rindfleisch oder Hühnchen, der vietnamesischen Morgenspezialität. Hanoi 2 allein wäre schon die Reise wert: die fünf Innenhöfe des Literaturtempels, Weltkulturerbe und Hauptheiligtum Vietnams. Der legendäre »See des zurückgegebenen Schwertes« mit seiner roten Brücke. Und natürlich das Wahrzeichen der Stadt, die tausend Jahre alte Einsäulenpagode. Dem kinderlosen König war 1049 die Göttin Quan Am erschienen und verkündete ihm einen Sohn. Und tatsächlich: Er wurde Vater und ließ zum Dank die Pagode in Form einer Lotusblüte bauen. So schweben wir durch Hunderte Jahre märchenhafter Kultur und eine darf auf keinen Fall fehlen: die nostalgische Kunst des Wasserpuppentheaters, bei dem die Puppenspieler bis zur Hüfte im Wasser stehen und an meterlangen Stöcken feuerspeiende Drachen tanzen lassen. Angeheizt von den kratzigen Tönen einer einsaitigen Kastenzither. Heute Abend zittern Sie mit.
Weberin in der Nähe von Mai Chau (© Christian Hergenröther / Chamäleon)
Mai Chau 3 heißt unser Ziel, aber dazwischen liegen noch zahlreiche magische Momente, bis uns das satte Grün der Reisterrassen zu dem kleinen Bergdorf Poom Coong lotst. Dort lassen wir uns von den Weißen Thai zeigen, wie Brokatstoff gewebt und Freundlichkeit als Lebensprinzip gepflegt wird. Gastfreundschaft ist ein unverbrüchlicher Teil davon, weshalb wir zum Abendessen bei einer einheimischen Familie eingeladen sind. Lecker vietnamesisch, aber was es auch sei: Reis ist immer dabei. Hier ein Feld und dort ein Feld und dazwischen Wunderwelt. So etwa liegen kleine Dörfer wie hingekegelt im leuchtenden Grün der Reisterrassen. Und Besucher sind so selten wie eine Missernte, was unsere Kontakte zu Einheimischen – von Natur aus ohnehin ein leuchtendes Beispiel für Freundlichkeit – sehr erleichtert.
Das Mai Chau Tal (© Chamäleon)
Darauf muss man erst mal kommen, eine der faszinierendsten Wasserlandschaften Vietnams »Trockene Halong-Bucht« zu nennen. Flussläufe mit kanaldeckelgroßen Seerosenblättern winden sich durch eine unwirkliche Kulisse wie von Pappmaché. Und wo in der »nassen« Halong-Bucht die Kalkfelsen wie Zipfelmützen in den Himmel ragen, geht es hier tief in totenstille Höhlen. Dagegen herrscht im Dorf Tam Coc 4 geradezu Highlife. Jedenfalls in Form von Hochgefühlen bei unserer Fahrt im Rudersampan durch Neptuns gute Stube Thung Nham. Obwohl mitten in einem Meer von Lotosblüten gelegen, vollendet sich der Tag trockener, als er begonnen hat, im märchenhaft gelegenen Tam Coc La Montagne Resort & Spa.
Dschunke in der Halong Bucht (© Lagoon Explorer / Chamäleon)
Im unüberschaubaren »Reich des untertauchenden Drachen« kreuzen wir mit einer exklusiv für uns gecharterten Dschunke durch die sagenhafte Halong-Bucht 5 6 und zählen, was das Zeug hält. Auf 1.969 Kalkfelsen müssen Sie kommen, die gern mal 100 Meter aus dem Wasser ragen. Ein steingewordener Märchenwald, und Sie entscheiden, wie Sie ihn erobern wollen: träumend an Bord oder allein mit dem Kajak in diesem türkisfarbenen Naturwunder. Spätestens zum vietnamesischen Abendessen sollten Sie wieder aufgetaucht sein. Nicht nur der Geschmackserlebnisse wegen, denn wenn er Lust hat, setzt sich der Kapitän an Ihren Tisch und erzählt Klabautermann-Geschichten aus der Halong-Bucht. Nicht immer, aber immer öfter.
Tai-Chi-Stunde an Deck (© Paradise Cruises  / Chamäleon)
In einem Welterbe darf man nicht einfach über Bord springen, aber mit dem Kajak in die bizarren Felsenhöhlen, um die Wunder der Natur hautnah zu entdecken, das geht. Und siehe da: Außer uns schwimmen komplette Dörfer im See, deren Fischer ganz aus dem Häuschen – oder besser aus der Hütte – sind, wenn sie uns zeigen können, wie man erfolgreich ein Mittagessen fängt. Es bleibt beim Zuschauen, sonst wäre der Koch an Bord der Dschunke arbeitslos, dabei hat er sich doch vorgenommen, uns heute in die Geheimnisse der vietnamesischen Küche einzuweihen. Wir basteln Sommerrollen Goi Cuon, den Frühlingsrollen nicht unähnlich, und was das Basteln angeht, wird sich noch zeigen, ob Ihre Rolle vielleicht mehr Ähnlichkeit mit einem Knallfrosch hat. Nach dem Knall.
Fischerboot in der Halong-Bucht (© Handspan / Chamäleon)
Die letzte Traumfahrt der Dschunke durch die scheinbar endlose Bucht gilt Ihnen. Lassen Sie das Erlebte noch einmal Revue passieren, denn am Nachmittag wartet schon Ihr Flieger nach Hué 7. Es reicht noch für einen erholsamen Abschluss des Tages in einer Wohlfühloase mit geradezu olympischem Pool und eleganten Bungalows in paradiesischer Lage. Auf Schritt und Tritt umgibt Sie im Pilgrimage Village Resort eine Reinkultur vietnamesischer Lebensart, wobei es nicht übertrieben ist, Lebens»Art« in diesem Falle mit der Kunst zu übersetzen, die »troubles of life« in seelische Harmonie, um nicht zu sagen in unfassbares Glück zu wandeln.
Eingangstor der alten Kaiserstadt in Hué (© Christian Hergenröther / Chamäleon)
Mit einer Bootsfahrt über den Parfümfluss bringen wir Sie zu den Zeugnissen einer glanzvollen Zeit, als Hué 8 noch die Hauptstadt von Vietnam war. Die »Dame des Himmels« zeugt davon, ein buddhistisches Kloster mit der höchsten Pagode des Landes. Sie macht den Anfang eines Tages, der Sie in Kaiserzeiten zurückversetzt. Eine unvorstellbare Pracht umgibt die Grabmäler der Kaiser Tu Duc und Khai Dinh. Die überwältigende Zitadelle in der ehemals »verbotenen Stadt« ist heute Weltkulturerbe und doch nur eins von einer Flut an unvorstellbaren Prunkbauten.
Die Japanische Brücke in Hoi An (© Thorsten Meiritz / Chamäleon)
Wolkenlos über den Wolkenpass, das ist realistischer, als es klingt und führt uns in ein von allen guten Geistern bewohntes Dorf. Einmal vertrieben reicht, hat sich das Volk der Co Tu gesagt und seine Kultur in eine abgelegene Ecke des Regenwaldes transferiert. Im Dorf Bho Hoong 9 stehen seine Häuser auf Stelzen, die Frauen sticken Perlenkleider und die Männer begnügen sich mit Lendenschurz. Aber essen müssen sie auch was, und weil sie sich in ihrer Abgeschiedenheit über Besucher freuen, sind wir herzlich eingeladen, zu bleiben.
Bootsfahrt durch den Wasserkokosnusswald (© Erne Lepple / Chamäleon)
Es folgt nun ein Erlebnis, auf das Sie mental gut vorbereitet sein müssen. Es geht gewissermaßen um eine Erleuchtung mit dem Namen Hoi An 10, einst der größte Handelsplatz Südostasiens und Hafen an der Seidenstraße. Auch Hoi An ist Weltkulturerbe am Stück: die Japanische Brücke, der Quan-Cong-Tempel, die Phuoc-Kien-Pagode, das berühmte Handelshaus Diep Dong Nguyen. Und ein ganz besonderes Erlebnis geben wir noch dazu. Denn bei den zigtausend Lampions, die Hoi An schmücken, kommt es auf einen mehr oder weniger nicht an. Und das wird Ihrer sein, im Workshop selbst gemacht und bunt und rund (hoffentlich). Wo ließe sich solch ein Tag besser zu Ende träumen als unter Palmen im Vinh Hung Riverside Resort? Dort geben wir Sie ab in gute Hände.
Am Flussufer in Hoi An (© Maja Lamme / Chamäleon)
Cam Kim liegt mitten im Fluss. Seit dem 15. Jahrhundert leben hier begnadete Handwerkerfamilien, die auch die Kaufmannshäuser in Hoi An 11 mitgestaltet haben. Traditioneller Bootsbau mit Axt und Beitel, Mattenflechten aus Palmwedeln und die olfaktorisch bemerkenswerte Herstellung von Fischsauce, da sehen wir bereits bei mehr als der Hälfte ihrer Existenzgrundlagen zu. Aber viel Arbeit macht selbst beim Zusehen müde, weshalb Sie jetzt wählen dürfen zwischen Kultur und verdienter Trägheit, denn der Nachmittag in Hoi An gehört Ihnen und Ihren glänzenden Augen.
Kinder mit Wasserbüffeln (© Amelie Peters / Chamäleon)
Auch, wenn Sie gern bleiben würden, wir tauschen die verzaubernden Lichter von Hoi An gegen einen Irrgarten sondergleichen, das Mekong-Delta 12. Endlose Wassermassen münden in ein Geflecht aus tausenden Kanälchen, wo moosbewachsene Mangroven die Straßenschilder ersetzen und jede noch so kleine Hütte einen Zugang zum Wasser hat. Auch in der paradiesischen Can Tho Ecolodge geht nichts ohne Wasser. Aber gezähmt und verlockend blau in einer freien Auswahl erfrischender Pools.
Boote im Mekongdelta (© Pham Thi Lan Anh, iStockphoto / Chamäleon)
Chaos hin oder her, wir müssen rein, und zwar frühmorgens, mitten in das Gewimmel von Booten und Kähnen, die Steuerbord an Backbord mit Bergen von Früchten und Gemüse den schwimmenden Markt von Cai Rang bilden. Wer geht unter, wer fällt beim heillosen Feilschen über Bord? Niemand, es ist ein Rätsel, aber funktioniert wie ein Uhrwerk und führt zu der Frage, wohin all dieser Reichtum des Mekong-Deltas 13 geht. Zu den asketischen Mitgliedern des Caodaismus jedenfalls nicht, die stecken das Geld lieber in den Schmuck ihres Cao-Dai-Tempels, aber unser Profikoch in Can Tho gibt beim Kochkurs die Antwort: in die Vielfalt der vietnamesischen Küche. Aufregend exotisch und oft undefinierbar gewürzt, aber in jeder Art köstlich.
The funny Boy of Saigon (© Alexander Klotz / Chamäleon)
Tiefer in dem glucksenden Labyrinth des Deltas verstecken sich unzählige Handwerksbetriebe, und einen Überblick zu bekommen, ist chancenlos. Aber versuchen können wir es. Mit Boot und einem Sampan für die kleinen Kanäle, trudeln wir vorbei an Fischfarmen, in die Mangoplantage, zum Mittagessen ins Dorf Hoa Lac, zum Tee bei einer Familie. Mehr geht nicht, den Rest müssen Sie sich bis zu Ihrer Ankunft in Saigon 14 15 hochrechnen. Wenn Sie von der Rooftop Bar über die Innenstadt blicken können, sind wir da. Aber heben Sie sich diesen Blick vom Dach des Silverland Jolie Hotel & Spa auf, bis wir von einem nervenaufreibenden Abenteuer zurück sind, wie es nur hier möglich ist: der nächtlichen Vespa-Tour durch einen Teil der Stadt, wo Saigon noch Saigon ist. »The Ride of my Life«, wie sie den Horror hier nennen.
Fischerboot (© Sabine von Bovert / Chamäleon)
Notre Dame, die sensationelle Hauptpost, das Kriegsmuseum: Die letzten Stunden vor Ihrem Abflug rasen. Wird knapp, aber der Wiedervereinigungspalast ist Pflicht und der Binh-Tay-Markt ebenfalls. Bis am frühen Abend Ihr Flieger geht und Sie zum Frühstück in Frankfurt 16 abliefert. Der Vorhang fällt, und Zugaben gibt es erst wieder, wenn Sie Ihre nächste Wunderwelten-Reise buchen.
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